Erfahrungsbericht Burkina Faso

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Land
Burkina Faso
Träger
Sonnenenergie für Westafrika e.V. (SEWA)
Freiwillige/r
anonym

SEWA




Der folgende Bericht ist einem Newsletter entnommen und spiegelt die ersten Erfahrungen in der Westafrikanischen Hauptstadt wider.



Flug Nummer `BIE 951´ von Paris über Ghandaia nach Ouagadougou ist so eben gelandet
Oder: wie verhält sich ein Frischling in Burkina

Ouagadougou, die Hauptstadt Burkina Fasos, das liegt in Westafrika, auf dem "schwarzen Kontinent". Soviel war auch schon vor meiner Ankunft in meiner `neuen Heimat´ Anfang September klar. Das alles wusste ich über mein Ziel, nicht viel mehr und nicht weniger.
Über meine zukünftigen Aufgaben als `SEWA - ADA’ler´ wusste ich hingegen ein wenig mehr. Ich wusste den ungefähren Stand der verschiedenen Projekte, ich kannte meine zukünftigen Arbeitskollegen auf deutscher Seite zumindest ein wenig und konnte so in etwa abschätzen was mich in Burkina Faso erwarten wird.
Über alles andere habe ich mir während meiner Vorbereitungszeit oft Gedanken gemacht. Wie sehen die Straßen, die Häuser, die Landschaft, die Menschen, die Autos aus? Wie werde ich leben, was werde ich essen, was trinken? Was wird in diesem Jahr alles mit mir passieren? Was wird mit den Menschen passieren, die ich in den letzten Jahren zu lieben und zu schätzen gelernt habe, nun aber für 13 Monate nicht sehen werde?

Am 01. September 2004, gegen 04:30 Uhr in der Früh, hatte sich ein Großteil dieser Gedanken verflüchtigt. Denn zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Mal burkinischen Boden betreten und alle westafrikanischen Eindrücke sind nur so auf mich niedergestürzt: Herzlich Willkommen in der Wirklichkeit!
Da waren auf einmal die tropischen Temperaturen, die mir die Schweißperlen nicht nur auf die Stirn trieben, die afrikanische Bürokratie bei der Einreisekontrolle, die, aus mitteleuropäischen Augen gesehen, ein einziges Chaos darstellte, der Geruch von Afrika usw....
Die ersten Tage habe ich dann tatsächlich ein wenig wie in Trance erlebt. Denn es gab auf einmal soviel Neues, Anderes und Tolles zu sehen, zu riechen und zu hören, was ich am liebsten alles auf einmal in mich aufgenommen und verstanden hätte. Man versucht offensichtlich seine Umgebung wesentlich aktiver und intensiver zu verstehen, wenn einem bewusst ist, dass man diese für eine gewisse Zeit sein Domizil nennen darf und nicht bloß ein Durchreisender ist. Ich war schlichtweg überfordert.
Nicht ganz unschuldig an dieser anfangs etwas schwierigen Situation waren auch meine doch eher miserablen Französischkenntnisse. Wenn man sich nicht gut mitteilen kann und auch nicht viel versteht, so ist das für die Integration nicht gerade förderlich. Doch inzwischen hat sich auch dieses kleine Problem etwas gelegt. Freilich gibt es noch immer täglich Missverständnisse, die es gilt aus dem Weg zu räumen. Doch sind diese eher allgemein mit den kulturellen Unterschieden als alleinig mit der Sprache zu begründen. So kommt es auch nach mehreren Wochen nicht gerade selten vor, dass ich Gastfreundschaft und Herzlichkeit des Öfteren mit Aufdringlichkeit oder ähnlich negativem verwechsele. Aber einfach aus dem Grunde, weil ich das aus der Heimat nicht unbedingt gewohnt bin.

Es dauerte geschätzte drei bis vier Wochen bis das auch mein Kopf endlich in Burkina angekommen war und ich ein bisschen anfangen konnte zu verstehen und auf meine Umwelt zu reagieren. Vorher war es ein seltsames Ohnmachtgefühl, ich musste einfach alles mit mir geschehen lassen. Was nicht heißen soll, dass ich nun die Kontrolle hätte. Im Gegenteil, Burkina Faso und seine Bewohner überraschen und überwältigen mich noch immer jeden Tag aufs Neue, aber nun kann ich auch die vielen wunderschönen Seiten dieses Landes sehen und von den Menschen eine ganze Menge lernen. Das wichtigste für mich ist dabei die ungeheure Lebensfreude mit der einem die Menschen begegnen. In der Intensität habe ich das jedenfalls bisher noch nicht erlebt und wage zu bezweifeln, dass man das in dieser Form auch häufig in Deutschland antrifft. Gerade aufgrund der herrschenden Armut in diesem Land, ist dies noch viel imposanter und bemerkenswerter.
Natürlich bekommt man, wenn man hier lebt eine ganze Menge Tragödien und Schicksalsschläge einzelner Leute mit. Doch wie ein kluger Mensch Namens Al Imfeld einmal über Burkina schrieb: "Das Land leidet Not, aber es herrscht nicht das blanke Elend. Das Volk spürt seine Armut, aber es gerät nicht in Verzweiflung. Die Menschen hungern, aber sie verhungern nicht." Irgendwie trifft dieses Zitat meine ersten Empfindungen sehr genau. Denn man sieht `die Armut´ nicht unbedingt auf den ersten Blick, da die Menschen es einen mit ihrer Lebensfreude nicht spüren lassen. Auch wenn in meinen Augen manchmal etwas sehr optimistisch, heißt es stets am Ende: "Mais ça va aller. On n’a pas des choix."
Und dieser Satz drückt, auch wenn knapp und bündig, das aus, was es unter anderem für mich gilt aus meinem Jahr Burkina mitzunehmen. Ein wenig mehr Gelassenheit und Zuversicht in allen Lebenslagen.

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