Erfahrungsbericht Peru

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Land
Peru
Träger
Freiw. Soz. Dienste - FSJ im Erzbistum Köln e.V.
Freiwillige/r
Felicitas

Arbeiten in einer medizinischen Einrichtung

„Hogar San Pedro“ ist ein kleines Gesundheitszentrum in Ricardo Palma (A), einer Stadt etwa 30 – 40 km östlich von Lima. Dieses wurde 1979 von Pater Eusebio Ménard gegründet und bietet etwa 60 Betten für arme kranke Menschen, wobei 13 Betten für Kinder reserviert sind. Die mittellosen Patienten erhalten dort nicht bloß medizinische Soforthilfe, sondern einen menschenwürdigen Lebensraum und die Aussicht auf Heilung. Darum gibt es nicht nur Patienten, die bis zu ihrer Heilung einige Tage oder Wochen in der Hogar bleiben, sondern sogar bis zu 2 oder 3 Jahre.

Es wird Zeit, Euch von meinem doch immer mehr zur Gewohnheit werdenden Tag zu berichten – “Alltag” würde ich es dann doch noch nicht nennen. Seit dieser Woche haben wir Freiwilligen näherungsweise Arbeitspläne, die uns jedoch auch viel Raum und Zeit für eigene Aktivitäten oder Hilfe, wo sie grade benötigt wird, lässt. Natürlich bedeutet das auch, dass wir ab und zu in der Situation sind, uns doch sehr aktiv Arbeit suchen zu müssen – aber der Freiraum ist doch sehr groß. Am Dienstag hieß es in der Küche Land unter, weil alle Köchinnen krank waren – da habe ich dann eben den ganzen Vor- und Mittag im Schürzendress mitangepackt! Und musste mir keine Sorgen machen, dass der Padre mit der Stoppuhr daneben wachen würde. Sonst bin ich auch in der Pflege unterwegs und werde von einigen netten Schwestern auch gerne mitgenommen (leider gibt es auch nicht ganz so nette, aber wo gibts die nicht?), sodass ich doch auch einiges Medizinische mitnehmen kann. Nachmittags arbeite ich oft in der Lavandería (Wäsche falten im Sonnenschein), der Farmacia (Nunja, Tabletten zählen, eintüten oder ordnen – Aber die Apothekerin, Elo, ist eine so liebe Person, da macht jede Hilfe Spaß! Und manchmal reicht mein Spanisch auch schon für ein Pläuschchen …) und beschäftige mich mit Patienten. Einigen Ömchen lese ich (recht) regelmäßig aus dem “Kleinen Prinzen” vor, worüber sie sich wunderbar freuen, und heute habe ich einer bettlägerigen Patientin die Beine massiert. Zwar habe ich keine physiotherapeutische Ahnung, aber Übungen und Massagen sind bei ihrer Krankheit wichtig – nur vom Personal aus Zeitmangel nicht machbar. Dann lieber eine Feli’sche Massage als gar keine :-)

Außerdem war ich am Wochenende mit Jacky, der Sekretärin des Hogar, und einem (deutschsprachigen!) Freund von ihr auf einem lateinamerikanischen Konzert! Es war sehr schön, aber doch auch ungewohnt – z. B. konnte man sich Plastikstühle holen, musste das aber nocheinmal extra bezahlen, was sie absolut nicht wert waren. Auch gab es nur ein (!) Getränk, peruanisches Bier einer ganz bestimmten Sorte! Denn diese Sorte war Konzertsponsor und hatte damit anscheinend absolutes Monopolrecht. Es schmeckte aber recht gut und die Menschen kamen (auch ohne Bier) schnell ins Tanzen, wo wir uns dann ab und zu auch einmal einreihten. Leider (?) bin ich doch aus der Masse hervorgestochen, denn ein Sänger hat mich glatt quer übers Publikum per Mikrofon angesprochen und nach Heimatland u. Ä. ausgefragt, als Exempel dafür, dass Peru so schön ist, dass ganz viele Extranjeros hierherkommen! ;-)

Auch waren wir am Montag in Chosica mit Jacky und einer Krankenschwester, Rosa, die uns ein bisschen die Innenstadt, Geschäfte, Märkte und Restaurants gezeigt haben. Jetzt wissen wir, wo wir billiger und peruanischer alles kaufen können, was wir bisher im – sehr westlichen und teuren – Supermarkt erstanden haben. Bei lebendigen Tieren, Wurst und Käse jedoch hört unsere Toleranz dann doch auf… Hingewiesen sei auch auf sogenannte “Picarones”, eine donutähnliche Süßspeise aus Peru – man kauft es am Straßenstand, es ist zutiefst frittiert und sehr süß, aber ausgesprochen lecker! Und angesichts unserer Reisdiät (Robins Wortschöpfung) können wir uns das dann auch ab und zu leisten. Aber die Menschen hier im Hogar wurden natürlich auch von meinen “Kochkünsten” nicht verschont, letzte Woche habe ich großmütig angeboten, für alle (> 50!) Personen Pancakes zu backen! Nach 3 Stunden in der Küche war ich quasi mitgebacken, aber konnte lecker Teig naschen und hatte dann doch die eine oder andere Freude bereitet.

Welche Geschichte ich Euch auch noch unbedingt erzählen wollte, ist eine aus der Farmacia: Letztens war es meine Aufgabe, Tabletten zu sortieren. Nach und nach wurde mir klar, dass die arme Elo das regelmäßig machen muss – handelte es sich doch um gespendete Tabletten. Und davon nicht zu wenige: Abgelaufene, einzelne, angebrochene Tablettenpackungen, die in stundenlanger Kleinarbeit durchgesehen, aussortiert und einsortiert werden mussten. In mir kam der Gedanke auf, in wie weit man es noch als großzügige und gütige Spende anerkennen soll, wenn jemand tatsächlich angefangene Tablettenblister nach Peru verschickt. Oder etwas Reis, von dem hier ja noch nicht genug vorhanden ist? Auch ein riesiger Karton mit “getrocknete und pulverisierten Eiern” hat bei mir eher Skepsis als Dankbarkeit dem Spender gegenüber ausgelöst. Da hier nur wenige Englisch verstehen, war es auch noch meine Aufgabe, die Kartoninschrift zu übersetzen – vom sichtbaren Inhalt auf Inhaltsstoffe zu schließen, war für alle Beteiligten einfach unmöglich. Zu erklären, dass es sich um “Ei-Mehl” handelt, ebenso…

Liebe Grüße aus Peru! Eure Felicitas

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