Erfahrungsbericht Ghana

-> Kommentar zu diesem Bericht schreiben
Land
Ghana
Träger
Kinderhilfe Westafrika e.V.
Freiwillige/r
Annika

Unterrichten in einer Schule

Akwaaba ! - Meine ersten Tage in Ghana

Am Mittwochabend bin ich mit den anderen Freiwilligen um halb neun abends (ghanaischer Zeit) in Accra, der Hauptstadt von Ghana gelandet. Der Flug war ziemlich lang, vor allem, weil ich ja noch zum Hamburger Flughafen fahren musste! Wir Mädels haben uns also vorher alle am British Airways- Schalter getroffen und sind dann gemeinsam von Hamburg nach London und von London nach Ghana geflogen. In London wurde bei der Handgepäckkontrolle erstmal mein ganzes Handgepäck ausgepackt!...MEIN GANZES!... und der nette Herr hatte sichtlichen Spaß dabei! ...war ja gar nicht peinlich ^^, vor allem hatte ich in meine Handgepäcktasche noch so einiges an Unterwäsche und "Frauensachen" eingepackt =D....und dann entdeckte der nette Mann auch noch mein Babypuder, welches er dann lauthals schreiend seinen Mitarbeitern vorführte....mit vollem Erfolg, alle haben gelacht! Nett , war ich auch schon sau aggro, vor allem , weil er wirklich jeeeeden Mist aus dem Koffer genommen hat und alles schön sichtbar für alle Menschen auf dem Stahltisch verteilte!...Naja, jedenfalls gings dann weiter nach Accra. Das hat man auch schon an den ganzes Passagieren gemerkt, die überwiegend Afrikaner waren und mitten unter ihnen wir 4. Nachdem dann auch noch meine Kopfhörer im Flugzeugsessel nicht gingen, ich immer als Letzte mein Essen bekam und anschließend meine Harre auch noch aussahen, wie frittierte Pommes, ganz zu schweigen von meiner Rettungsaktion, bei der ich die halbe Babypuderdose auf der Flugzeugtoilette in meine Haare verteilt hatte, war der Tag gelaufen. =D......Ich war ja sowas von fertig mit der Welt, aber das Beste kommt ja noch! :) Ich wollte nicht viel tragen und da im Flugzeug aufgrund der Klimaanlage eh- 30°C herrschten, zog ich meinen Poncho wieder an und dachte mir " soooo warm kanns ja nicht werden, is ja Regenzeit".... FALSCH GEDACHT !! =D .....die Flugzeugtür ging auf und tadaaaaaaaaa, gefühlte 50° bei einer Luftfeuchtigkeit von 99,9 % ...wunderbar dachte ich mir, aber da hatte ich ja noch nicht die 20m hohe Treppe entdeckt, die ich meinen 15kg Koffer noch runterschleppen musste !!!....Herzzerreißend!

Am Kofferband stand ich dann auch ne halbe Stunde und habe um meinen Treckingrucksack geschwitzt (im wahrsten Sinne des Wortes!) .... Am Flughafenausgang haben uns dann Eric (ein Nachbar) und Daniel, unser Gastvater, Vermieter und Papa abgeholt....Wenn ich sage "Papa" , dann mein ich das auch so ! .... Also ghanaischer Papa jedenfalls!....Schon beim ersten Essen sagte er zu uns: " ich habe 4 Söhne, aber keine Tochter ....jetzt habe ich 4 und ich bin sehr stolz! "...Ich fühl mich sehr wohl hier, bei den Ayembillas!....Daniel und seine Frau Elizabeth geben uns das Gefühl, eine Familie zu sein und die jetzigen Freiwilligen nennen sie auch wie selbstverständlich " Dada" und "Mama" ...! Auch die beiden "Haushaltshilfen " Faustina (Fausti) und Sarah sind echt nett und jetzt schon wie große Schwestern....Allgemein wurden wir hier sehr ,sehr herzlich aufgenommen, auch wenn uns viele Leute auf der Straße richtg anglotzen, weils hier einfach fast nie Nassala (Weiße ) gibt! Naja , erstmal zurück zu unserer Hinfahrt : wir sind also in Accra gelandet und wurden dann erstmal mit dem Landrover in ein "Hotel" gekarrt. Bettina und ich waren zusammen im Erdgeschoss, praktisch in einem Bungalow mit "Bad".... wenn man das überhaupt Bad nennen kann ;)...Das Waschbecken hing am seidenen Faden, die Badewanne hatte bereits Besucher und das Klo.....OHOH....! Vollgestrullt und der Kanister hat nach dem Spülen locker 10 min Wasser nachgezogen.. but that's Africa ! =)

Gestern Morgen haben wir erstmal mit Daniel gefrühstückt, danach gings in die Stadt von Accra, Geld wechseln, Arbeitserlaubnis hohlen und im Internetcafe waren wir auch noch kurz. Danach gings ab Richtung Kumasi, denn wir waren ja noch nicht Zuhause. Angeblich sollten wir an diesem Tag auch schon in Jirapa( also unserem Heimatdorf) ankommen, wie auch immer wir das hätten schaffen sollen , mit einem Düsenjet vllt =D...Dafür hat Daniel auf der Fahrt aber mind. 10 kg an irgendwelchen Dingen eingekauft und uns netterweise sone Art Joghurt-Eis verschafft, was wie abgelaufene Milch schmeckt, aber man gewöhnt sich an alles...wohl auch daran , dann man in den Städten aus dem Auto, während der Fahrt einkauft ! Eigentlich ganz praktisch ;).... Die Verkäufer hier sind eh die Schärfe, vor allem mein neuer Lieblingsverkäufer, der mich liebevoll aus meinen Erschöpfungsschlag riss, indem er vor meinem Gesicht mit 3 toten Ratten rumschleuderte =D.... Widerlich! .... wer kauft denn tote Ratten??? BAH !!

Nach einer Weile Fahrt kamen wir von der lauten und vollen Stadt durch den Regenwald. Die einigermaßen geteerten Straßen verwandelten sich zu staubigen Puckelpisten mit riiieeeeeesig tiefen Schlaglöchern, durch die wir alle 2 Minuten mit nem halben Genickbruch aus dem Schlaf gerissen wurden !...Als Stina dann allmählich mal einen bald nötigen Toilettengang ankündigte , riss Eric, unser Fahrer direkt das Lenkrad nach rechts und zeigte in den Busch !......" nicht im Ernst " dachten wir..." Völlig im Ernst " meinte es Eric aber leider =D...Tja, es blieb uns also nix anderes übrig, als unter den bespaßten Blicken von ca. 30 Einheimischen aus dem Landrover zu klettern und uns mit Gequietsche und Gekreische im Busch ein stilles Örtchen zu suchen.....Nach dem Zwischenstopp ging weiter Richtung Kumasi, in irgendein Dorf, in dem wir in einem Hotel schliefen, dessen Name ich bis heute nicht weiß. Bevor wir hier ankamen waren wir noch Abendbrot essen. In diesem Restaurant gab es diesmal sogar netterweise n Klo...und was für eins !.....Um zu Pinkeln musste man erstmal auf seinen Trohn klettern, der im Endeffekt noch nicht mal funktionierte! Weder Spülung noch Waschbecken....hübsch !....Nach der Nacht in Kumasi, oder wo auch immer wir da waren , ging es endlich weiter nach Jirapa...und wir kamen sogar an ! .....Gestern abend , als wir ankamen war es schon dunkel und es hatte richtig geschüttet... die letzten paar Meter vor unserer Ankunft hatte ich noch schnell im Auto " ein Bauer wollte Landholz fahrn" zum Besten gegeben und dann waren wir auch schon da. Alle waren da, um uns zu begrüßen. Dazu wurden wir in die "Hall" gebracht, also unser Wohnzimmer, welche richtig kitschig ist!! Die Sofas und überall Kleinkram (vollgestaubt)...die Claudi würde sich freuen ;) ...wir saßen also auf den Sofas und guckten dabei Teletoon (das läuft hier IMMER nebenbei - der Tv is nie aus! ) und währenddessen gingen tausend Menschen, die plötzlich da waren immer wieder alle nacheinander zu uns und sagten "you are welcome" ...leicht irritierend , aber nett ! =D... .Unsere Sprache in diesem Haus ist Englisch…and we need to talk in English the whole time so that anybody is able to understand what you are talking about!

Unser Bad ist unverwechselbar….ich wasch mich lieber aus ner großen Regentonne mit kleinem Eimer, als mich unter die Dusche zu stellen, da Wasserdruck = 0,001 % !....In der ersten Nacht ist auch schon direkt das Klo übergelaufen und ich konnte am nächsten Morgen mit meinen Händen schön um das Klo herum Wasser schöppen! But „ that’ s Africa „ =) …..Heut Morgen haben wir zusammen gefrühstückt und Daniel saß zuckersüß in einem lilanen Seidenschlafanzug am Esstisch! Herzzerreißend ! ….<3 Danach gabs ne Bibelstunde. Omg ;)….Naja, das ist jedenfalls nicht so schlimm, wie die Tatsache, dass wir Wasser aus Plastiktüten trinken. Viereckige Plastiktüten, in die wir ein Loch beißen müssen und die 0,5 L beinhalten. Von denen trink ich am Tag min. 5-6 =O….also zwischen 2 ½ und 3 Liter ! Das bedeutet wiederum, dass ich alle halbe Stunde aufs Klo muss, unsere Klospülung mind. 15 min braucht um Wasser nachzuziehen! Zum heutigen Tag : viel gemacht haben wir eigentlich nicht. Gegessen, geschlafen, getrunken, gegammelt, mit den Welpen gespielt usw. Highlight: wir waren an der Schule in der Stina und ich bald unterrichten werden und abends haben wir Volleyball gespielt. Jetzt ist mein linker Ellbogen zerstört. Toll ^^…kann auch nur wieder mir passieren. So und jetzt bin ich müde, kann nicht mehr schreiben und schwitze => also ab ins Bett!

Weihnachtsspendenaktion in Ghana
Ein Jahr nach ihrem Freiwilligendienst in Ghana, ist Annika zurück in ihre zweite Heimat geflogen. Lest hier mehr zu ihrer großartigen Weihnachtsspendenaktion:

Bald ist wieder Weihnachten und als ich dieses Jahr die Girlsschool und das Waisenhaus in Tamale besucht habe, wurde mir einmal mehr klar, wieso es besonders wichtig ist, für die Kinder Spenden zu sammeln! Kurz zur Situation: Die Kinder im Waisenhaus leben unter Umständen, die ich in meiner ganzen Zeit in Ghana nicht mal ansatzweise so schlimm erlebt habe.

Die ca. 30 Kinder im Alter von 2 Wochen bis ca. 6 Jahren liegen in 1-2m² kleinen Zimmern. Jedes in seinem Gitterbett. Überwiegend ohne Decke, Kissen oder Spielzeug. Diese Zimmer erinnern (aufgrund ihrer Türen mit Gitterverschlag) an Gefängniszellen. Ich war geschockt! ... Die 2-3 Hausmuttis, die dort arbeiten, so muss man leider sagen, machen ihren Job auch nun wirklich eher schlecht als recht, denn sie sind wegen des Schichtwechsels, der niedrigen Bezahlung und der vielen Kinder meistens völlig überfordert. Die Babys werden dort meist nur ein Mal am Tag gewickelt, was bedeutet, dass sie den ganzen Tag eingenässt in ihren Betten liegen. Das liegt aber nicht an der schlechten Arbeit, die die Mitarbeiter Vorort machen, sondern an den hohen Kosten, die für eine ausreichende Menge an Windeln entstehen würden, jedoch momentan einfach nicht tragbar sind! Auch an Seife, Kleidung, Spielzeug und vielen einfachen Kleinigkeiten fehlt es dem Heim und damit auch den Kindern. Viele von ihnen sind zudem auf sich selbst gestellt. Oftmals kümmern sich die etwas größeren (4-6 Jährigen) um die weinenden Babys, nehmen sie aus den Betten, schleppen sie rum oder versuchen sie am Bett zu beruhigen.

Als ich im September mit Johanna, einer deutschen Freiwilligen, das Kinderheim besuchte, hingen uns die Kinder an den Armen und Beinen, wollten hochgehoben werden oder einfach nur kuscheln. Die ganze Situation war so absurd, dass ich mich dazu entschied, das restliche Spendengeld dafür zu benutzen, um viele, viele Windeln, Kleidung, Spielzeug, Seife, Babypuder, Flaschen und für fast jedes Kind ein eigenes Kuscheltier zu kaufen. ( Einen großen Dank nochmal an euch!! )

Was mich aber besonders schockiert hat ist, dass das Waisenhaus eigentlich, oder "angeblich" von SOS Kinderdorf unterstütz wird. Jedenfalls kamen eines Nachmittags ohne Vorwarnung mehrere Kameraleute plus Anhang in das Heim, um einen "Werbespot" auf widrigste Art und Weise zu drehen. Mehr möchte ich dazu hier nicht sagen^^.

Jedenfalls hat mich das Schicksal der Kleinen sehr berührt und deswegen würde ich zum Einen für dieses Projekt die alljährliche Spendenaktion machen, zum Anderen aber auch für die Girlsschool (ebenfalls in Tamale).

Zur Girlsschool : die Girlsschool wurde vor einiger Zeit ins Leben gerufen, um den Mädchen, aus den umliegenden Dörfern, die meist noch weniger Chancen auf Bildung haben, eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. Diese Schule, die ausschließlich Mädchen aus armen Familien, die sich das Schulgeld (0,75 Cent für 3 Monate) nicht leisten können, wurde damals eigens aus den Händen der Anwohner erbaut und unterrichtet ca. 50-70 Schülerinnen im Grundschulalter. Leider fehlt es diesem eigentlich sehr lobenswertem "Projekt" oft an Büchern, Schulmaterial für die Mädchen und sogar Lehrern. Ein Lichtblick gab es jedoch vor kurzem : durch Spenden konnten den Mädchen (die übrigens für diese Schule weder school fees noch sonstiges bezahlen müssen) Uniformen spendiert werden. Auch ein paar Stifte und Bücher kamen dazu. Trotzdem reicht es nicht.

Eine weitere und vorerst letzte Spende würde an die 10 Waisenkinder gehen, die die Mutter einer Freundin bei sich aufgenommen hat, obwohl sie selbst eigentlich gar keine Mittel hat, um diese Kinder ausreichend zu versorgen. Auch hier fehlt es an ganz banalen Dingen, wie Schulbücher, Uniformen, Schulgeld, Essensgeld und und und!

Kommentar zu diesem Erfahrungsbericht schreiben

-> Kommentar zu diesem Bericht schreiben