Erfahrungsbericht Ecuador

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Land
Ecuador
Träger
Alegro - freiwilliges Engagement weltweit
Freiwillige/r
Bianca

Un techo para mi país

Nachdem wir (mein Projektpartner Jakob und ich) am 15. August erschöpft am Quito Airport ankamen und von unserem Chef Andrés abgeholt wurden, fingen wir bereits am folgenden Tag an, in unserem Projekt zu arbeiten. Wir wurden also sofort ins kalte Wasser geworfen, was uns aber eigentlich gut gefiel. Das Techo-Team ist sehr nett, lustig und offen. Wir wurden ohne große Umstände ins Team aufgenommen und in die Arbeit integriert. Und auch trotz Jetlag wurden wir die ersten zwei Abende mit zum Ausgehen genommen; am Donnerstag auf einen Ausflug in Quitos Innenstadt, um auf Empanada und Canelasso (ein ecuadorianisches Getränk mit Zimtgeschmack und viel Alkohol) eingeladen zu werden und am Freitag besuchten wir ein Bierhaus, in dem man für $ 6,50 eine Stunde lang Bier bekam, „so viel wie geht“.

Wir lernten so neben dem festen Team von Techo-Angestellten (dieser sind es neun) auch ganz viele Freiwillige kennen. Es sind alles sehr junge Leute, um die 20 herum, und wirklich ausschließlich ALLE sind super freundlich. Am Samstag wurden wir sogar auf eine Party eingeladen, auf der wir noch mehr Freiwillige kennen lernen durften und den Eindruck bekamen, dass Techo eine große Familie ist, in die wir unkompliziert und sehr schnelll aufgenommen wurden.
Aber natürlich waren wir nicht nur feiern, was wäre denn das für ein Freiwilligendienst? Wie sieht also die eigentliche Arbeit bei Techo aus?

Unser Arbeitstag beginnt um 10 Uhr und endet um 18 Uhr. Jakob und ich durften uns unser eigenes kleines Büro in der Eingangshalle des Techo-Offices einrichten und haben dort einen PC mit Internet; können aber auch unsere eigenen Laptops mit dem WLAN verbinden. Unsere Arbeit besteht aus theoretischer und praktischer Arbeit; letztere gefällt mir weitaus besser. Wir haben zum Beispiel schon Familien in einem Dorf im ärmeren Süden Quitos besucht, um ihre Anträge auf Techo-Häuser entgegenzunehmen. Außerdem haben wir die Baumaterialien für die Häuser auf Lastwägen geladen und diese auch wieder abgeladen.

Was die theoretische Arbeit betrifft, wurden uns bisher Rechercheaufgaben zugeteilt, sei es über schon bestehende Gesundheitsprojekte in Ecuador oder die Suche nach möglichen Sponsoren für Techo. Ich hatte bisher so meine Schwierigkeiten bei diesen Aufgaben, denn natürlich wird von uns erwartet, auf Spanisch zu recherchieren – ohne Spanischkenntnisse meinerseits ist das aber leider noch ein kleines Problem. Deshalb werden mir des Öfteren einfache typische „Praktikanten-Sortieraufgaben“ erteilt.

Wie verständige ich mich hier also? fragt ihr euch vielleicht. Nun, im Techo-Büro wird sehr darauf geachtet, dass nur Spanisch mit mir gesprochen wird, verstehen tu ich das auch relativ gut. Nur das Sprechen fällt mir noch sehr schwer, aber da ich mich auch normalerweise eher im Hintergrund halte und nicht viel sage, wenn ich mich in neuem Umfeld befinde, ist das nicht weiter schlimm. Im Notfall geht es mit Englisch, aber ich finde es witzig, mein gebrochenes Spanisch den anderen an den Kopf zu werfen. Nur so lernt man schließlich, oder?

Unser Highlight bisher war letztes Wochenende, denn da hatten wir doch tatsächlich schon unsere erste Construcción. Das, was also der eigentliche Kerngedanke Techos ist, nämlich in den Armenvierteln Ecuadors zusammen mit den dort lebenden Familien neue Häuser zu bauen, durften wir schon in unserer zweiten Woche mit erleben.

Es war eine tolle Erfahrung, denn schon am Freitag zuvor lernten wir einige der Familienmitglieder kennen, weil sie uns beim Abladen der Baumaterialien halfen (und zwar in dem schon vorher von uns besuchten, südlich gelegenen Dorf, „Buneaventura“). Es sollten insgesamt 10 Häuser gebaut werden.

Am Samstag trafen wir uns dann alle um 07.00h und fuhren gemeinsam nach Buenaventura. Für diese Construcción hat sich Techo Verstärkung von verschiedenen Firmen geholt, denn es fand gleichzeitig noch eine Construcción an der Küste, in Guyaquil statt, und pro Haus werden um die zehn Helfer gebraucht.

Im Dorf angekommen wurden wir in Gruppen aufgeteilt, Jakob und ich wurden bei dieser Gelegenheit unter den wachsamen Augen Danielas (der Techo-Mitarbeiterin, die am meisten darauf achtet, dass wir nur Spanisch sprechen) voneinander getrennt.

Zu meinem Glück war meine Gruppe allerdings sehr international ausgerichtet (insgesamt acht Nationen: Ecuador, Kolumbien, Mexiko, England, Wales, Norwegen, Frankreich und Deutschland) und ich war nicht die Einzige, die kein Spanisch sprach. So wurde dann immer zwischen Englisch, Spanisch und Französisch geswitcht – was meinem Spanisch zwar nicht weiterhalf, ich aber so besser verstand, was wie gemacht werden sollte:

Am ersten Tag waren wir damit beschäftigt, das Grundgerüst für das Haus aufzubauen. Dafür haben wir 12 Holzbalken im Boden vergraben, schwer darauf bedacht natürlich, dass sie auf gleicher Höhe sind, und haben den Hausboden anschließend darauf gelegt.

Das Gute an den Techo-Häusern ist, dass sie mit „Baukasten“-Gedanken gefertigt werden und so die einzelnen Teile nur noch zusammen genagelt werden müssen. Am Sonntag taten wir also genau das. Wir hatten einige Schwierigkeiten, weil das eine Fenster nicht so richtig passen wollte und der Boden leider auch an einer Stelle brach, weil Jean-Pierre von der Firma Schlumberland zu übermütig vom Dach sprang. Aber diese Probleme konnten gelöst werden, indem im Falle des Fensters, einfach etwas Holz vom Rahmen abgehobelt wurde und der Boden wurde von unten her von aufeinander gestapelten Holzplatten gestützt. Juanito, der für unsere Gruppe Verantwortliche, ein Techo-Freiwilliger, meinte dass so etwas öfters passiere und im Verlauf der folgenden Woche der Boden noch einmal ausgewechselt werden müsse. Ich finde das vollkommen ok, denn bei den Häusern handelt es sich schließlich nur um Notunterkünfte, die in meinen Augen in jedem Fall sicherer sind, als die zum Teil selbst aus Müll gebauten, vorherigen Häuser der Familien.

Schließlich strichen wir das Haus noch hellbraun an und es folgte eine feierliche Übergabe mit Piñata in Hausform für die Kinder und einer kleinen Rede. Leider war bei uns nur der älteste Sohn, Giovanni, anwesend, weshalb die Übergabe nicht so emotional verlief, wie Jakob sie erlebt hat.

Trotzdem hat dieses Wochenende mir sehr viel Spaß gemacht und ich bin überrascht, mit wie viel Engagement jeder Einzelne mitgeholfen hat. Es macht mich glücklich, mit den vielen Freiwilligen UND den Familien zusammenarbeiten zu dürfen, die alle ehrlich an eine Verbesserung der Zustände in ihrem Land glauben und diesen Gedanken auch gemeinsam umsetzen wollen.

Kurzes Resümee nach drei Monaten in Ecuador


1. Sprache

Dies ist meine größte Herausforderung. Mit den grundlegendsten Spanischkenntnissen habe ich mich auf den Weg nach Ecuador gemacht, mit dem Gedanken „Das wird schon!“. Leider musste ich dann ganz schnell feststellen: So einfach ist das alles doch nicht! Ich habe Glück, dass ich Französisch spreche, weshalb ich relativ viel verstand zu Beginn. Aber wenn es dann zum Sprechen kam, sah alles noch einmal ganz anders aus. Nach einem sechstägigen Sprachkurs ging es dann aber holprig bergauf; glücklicher Weise sprechen alle TECHO-Direktoren und -Freiwilligen Englisch, sodass ich mich mehr oder minder gut mit Spanglish durchkämpfe.

Ich merke aber, wie es mir immer leichter fällt, Spanisch zu sprechen, mit dem Verstehen habe ich kaum noch Probleme. Wenn es allerdings zu spezielleren Themen kommt (vor allem auf großen Besprechungen, auf denen viel und schnell geredet wird), habe ich dann doch noch meine Schwierigkeiten, mitzuhalten und auch etwas Scham, mich selbst einmal zu Wort zu melden.

Aber mittlerweile hat sich jeder an mein schlechtes Spanisch gewöhnt und das ist okay. Anfänglich war es nur sehr schade, weil dies natürlich auch ein Faktor war, der mich daran gehindert hat, vollkommen in meine Arbeit bei TECHO einzutauchen.

2.Wohnsituation

Jakob und ich hatten große Probleme, eine Wohnung zu finden. In Ecuador gibt es kaum WGs, da es üblich ist, bis zu einem gewissen Alter noch bei seinen Eltern zu wohnen, da das Familiengefühl hier sehr groß ist. Deshalb haben wir uns zunächst eine kleine Wohnung zu zweit gesucht, diese war aber wirklich winzig und lag in einer nicht so sicheren Gegend, weshalb wir schnell ausziehen wollten. Zum Glück traf es sich, dass TECHO gerade neue Direktoren aus Mexiko und Argentinien bekam, die beide auch auf der Suche nach einer Bleibe waren. So lag es nahe, dass wir uns gemeinsam auf die Suche machten. Wir fanden schnell eine wunderschöne, große Wohnung in der Nähe des Büros, die wir prompt zusammen bezogen.

Nach etwa anderthalb Monaten stellte sich dann aber heraus, dass das Zusammenwohnen nicht so ganz locker vonstatten ging. Da die beiden fünf bis sechs Jahre älter sind als wir, befinden sie sich in einem ganz anderen Lebensabschnitt und haben somit auch einen ganz anderen Lebensstil. Es fiel uns allen etwas schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Deshalb traf es sich gut, dass Tobi von seinem Projekt in Esperanza zu uns zu TECHO wechselte, denn so wohnen nun wir drei Deutschen zusammen und die anderen beiden wohnen mit einer anderen TECHO-Freiwilligen in ihrem Alter zusammen.

3. Die Stadt Quito

Ist erstmal gewöhnungsbedürftig. Ich komme zwar aus Berlin, aber Quito bewegt sich noch einmal in ganz anderen Sphären. Es ist riesig und laut und schmutzig. Die Autos fahren kreuz und quer und man kann als blonde Frau nicht die Straße überqueren, ohne mindestens einmal angehupt zu werden. Nachts ist es gefährlich auf den Straßen und man sollte sich lieber ein Taxi nehmen – auch wenn diese auch nicht immer sicher sind.
Hinzu kommen natürlich die extremen Gegensätze, die man hier findet: an den „American Lifestyle“ angelehnte riesige Shoppingmalls neben kleinen Straßenständen und Verkäufern mit Bauchläden. Große, neue Häuser neben kaputten, heruntergekommenen Hütten. Grüne, schöne Parks neben Abfall, der überall auf den Straßen verteilt liegt. Und generell, diese Absurdität, dass dieser riesige urbane Raum in einem Tal liegt, eingeschlossen von Bergen und Vulkanen.
Aber auf diese Gegensätze hatte ich mich eingestellt, weshalb sie mich nicht sonderlich überraschten.

Im Nachhinein denke ich, ich hätte überall sein können und ich hätte sehr lange gebraucht, bis ich mich an den neuen Wohnort gewöhne. Eigentlich hat Quito viele schöne Ecken, man muss sie nur nach und nach entdecken und eben wissen, wo man sich um welche Uhrzeit noch herumtreiben kann, dann passiert einem auch nichts.
Wie Andrés so schön meinte „Ecuador ist nun mal immer noch ein Entwicklungsland und ihr seid hier, um genau dies kennen zu lernen“.
Da gehört eben einmal der viele Müll genauso dazu wie der Smok und die schnieken Einkaufszentren.

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