Erfahrungsbericht Südafrika

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Land
Südafrika
Träger
kommerzieller Anbieter
Freiwillige/r
Maylin

Frühchen- und Geburtsstation

Darf ich vorstellen Cape Town
Heute hatten wir eine Orientierungstour in Kapstadt. Auf dem Weg dorthin haben wir das erste Mal die Townships gesehen und auch etwas über diese erfahren. Man denkt ja das dort nur die Ärmsten der Armen wohnen und es keinerlei „Luxus“ gibt. Erstaunlicherweise ist dem aber gar nicht unbedingt so. Überall sieht man Satelliten Schüsseln und Autos und Strom wird einfach Illegal von der Straßenbeleuchtung abgezweigt. Einige wohnen auch freiwillig und gerne da. Es gibt sogar welche die von der Regierung normale schöne neue Häuser gebaut bekommen haben, dort aber kein Strom und Wasser etc. zahlen wollen, deswegen ihre Häuser untervermieten und lieber in den Townships oder auf dem Hinterhof ihres eigenen Hauses in einer Wellblechhütte leben. Für unser eins wirklich eine komische Vorstellung aber die Leute mögen die Kultur und die Gemeinschaft in den Townships, die ja auch über eigene Schulen Restaurants B&B’s etc. verfügen. Der größte Township Kapstadts beherbergt 2 Millionen Bewohner. Es sind riesige Flächen und ja es sind einfach eigene Städte mit einer eigenen Infrastruktur.
Aber nun zurück zum Ausflug. Wir liefen erst etwas durch den Companys Garden, was ein Überbleibsel der Briten ist.
Dann wurden uns noch das Haus gezeigt in dem früher die Sklaven katalogisiert und verkauft wurden und eine Gedenkstädte für das Leid, was die Sklaven ertragen mussten und mit ihren Richtigen Namen drauf. Oft war es nämlich so, dass wenn ein Sklave im Februar gekauft wurde, dann hieß dieser Sklave ab sofort mit Nachnamen Februar, weil die Herren ihre Sklaven nennen konnten wie sie wollen.

Danach sind wir noch etwas weiter durch das Viertel und den Blumen Markt und einen Souvenir Markt gelaufen (Nein ich habe extra noch nichts gekauft).

Von dort fuhren wir dann in die „Oberstadt“ die aus ganz vielen kleinen bunten besteht. Dort haben wir eine Landesspezialität probiert namens "Samosas" und danach haben wir uns noch das originale alte Haus der Atlas Trading Company angeschaut, indem auch heute noch Gewürze verkauft werden. Natürlich musste ich auch ein paar davon erstehen. ;-)

Danach ging es auf den Signal Hill von dem man einen Wahnsinns Blick über Kapstadt hat.

Unsere knurrenden Mägen wurden danach in einer Mall an der Waterfront mit etwas Calamaris und Fisch beglückt. Als es dann schon fast zurück ging haben wir noch zwei Stopps an tollen Stränden gemacht und auch direkt ein paar Wale gesehen (leider konnte ich sie nicht dazu kriegen still zu halten für ein Foto) :D

So und morgen ist mein erster Arbeitstag. Ich bin schon gespannt wie es wird. Es gibt wohl extrem viele Fehlgeburten und ich darf bei allem zusehen, auch OP’s , aber ich darf nichts anfassen. Dann stecke ich mich immerhin nicht an ;-)

Deswegen schlafe ich dann auch jetzt endlich mal. Nach dem aufregenden Tag bin ich jetzt auch echt müde. Wenn bloß nicht wieder eine Alarmanlage aus der Nachbarschaft angeht wie jetzt gerade sollte das mit dem schlafen auch klappen :D

Uffffff……
Heute war gerade mal mein dritter Arbeitstag und ich bin schon so kaputt, dass ich direkt nach der Arbeit nur noch essen und schlafen will.
Mein erster Arbeitstag war ja nur im Krankenhaus und zum Glück war meine erste Station dort die Kinderstation. Anfassen darf ich nichts und die Patienten berühren oder den Schwestern helfen auch nicht von daher ist es die meiste Zeit schon langweilig.
In dieser Woche bin ich jedoch von 7:30 Uhr bis 12:15 Uhr bei dem „Little Angel“ Physiotherapie Projekt. Von dort geht es dann noch zum Krankenhaus bis ca. 15-16 Uhr.

Wirklich schaffen tut mich jedoch die Arbeit in dem Physio Projekt. Es sind ca. 15 stark behinderte Kinder in einem Heim. Sie wohnen fast alle dauerhaft dort, sodass wir sie morgens füttern, ihre Zähne putzen, sie waschen und ihre Windeln wechseln. Die Kinder sind zwischen 2 und 21 Jahre alt (Der älteste Junge ist also sogar älter als ich :-O). Welche Behinderungen sie genau haben oder woher diese rühren ist oftmals ungewissen. Viele hatten einmal eine Gehirnhautentzündung und haben jetzt Spätfolgen. Bei anderen hat die Mutter während der Schwangerschaft getrunken, geraucht oder Drogen genommen oder auch alles zusammen. Deshalb sind auch einige Kinder Waisen oder von ihren Eltern verstoßen. Die Erzieherinnen sind also ihre Familie. Ja zu den Behinderungen noch einige sind blind und bis auf 3 können sie alle nicht spreche, was nicht heißt das es still ist. Nein es ist sogar super laut denn manche Kinder haben Anfälle oder Ticks und schreien oder machen andere seltsame Geräusche.
Eine Junge ist „nur“ Taubstumm und Boarderliner. Er ist echt süß, denn Lorenzo denkt er könnte sprechen, aber da er sich selbst ja nicht hört weiß er nicht das nur ein komisches

Ja mein größtes Problem ist eigentlich das Windel wechseln. Ich weiß auch nicht es ist nicht nur Ekel, sondern vielmehr verbinde ich die Krankheit und Pflege meiner Oma damit.

Der Physiotherapie Teil in dem Projekt ist also sehr gering das meiste ist wirklich die Pflege der Kinder.

Ich habe aber heute mit ca. 5 Kindern Übungen gemacht und eins unserer Babys über eine Stunde versucht zu füttern (sie lernt gerade noch essen, sie schluckt fast nie deswegen dauert es so lange). Körperlich ist es auch echt anstrengend weil man die Kinder in ihre Rollis und wieder heraus heben muss und sie durch die Gegend trägt oder sie bei den Übungen festhält oder massiert. Und die meiste Zeit bückt man sich auch über die Kinder oder hebt sie aus dem Rücken hoch. Dadurch das einige ja schon Teenager sind, sind sie auch dementsprechend schwer und sie können ja auch nicht mithelfen. Sie schlingen höchstens die Arme um meinen Hals und dann hängen sie da wie ein Kartoffelsack. Von daher freut sich mein Rücken auch schon sehr aufs Bett.

Dort werde ich auch gleich hingehen. Es ist traurig aber war wir gehen hier so gegen 21 Uhr ins Bett weil es schon seit Stunden dunkel ist und wir alle so ko sind.

682
682! Was diese Zahl bedeutet? Es ist weder Mandelas Gefangenennummer, noch ist es die Anzahl der Tiere, die ich hier schon gesehen habe. Trotzdem ist 682 für uns heute die wichtigste Zahl überhaupt gewesen.

Jetzt fragt ihr euch natürlich: „Warum??????“

Okay, also 682 war die Zahl unseres Kassenbons. Aber das hilft euch immer noch nicht weiter. Mit diesem Kassenbon standen wir eine Stunde in einem kleinen heißen Raum aneinander gequetscht und haben nur darauf gewartet, dass endlich unsere Zahl „682“ ausgerufen wird.

Wir waren nämlich heute auf einer Township Party. Das ganze dort läuft wie folgt ab.

Man stellt sich an einer langen Schlange an, um überhaupt erst mal in den Metzgerladen „Mzoli´s“ zu kommen. Dort gibt es nämlich das beste Grillfleisch Kapstadts. Wenn man dann drin ist bestellt man, wie wir z.B. für 250R eine gemischte Platte Fleisch. Dann nochmal anstehen, um an der Kasse zu zahlen und den ersehnten Kassenbon zu bekommen. Auf dem steht dann die Nummer und dann kann man seine Fleischplatte nach hinten zu den Grills bringen. Dort steht man dann eine Stunde und wartet darauf, dass endlich seine Fleischplatte gegrillt wird und man essen kann. Währenddessen hat man schon so ca. 2 Stunden mit Anstehen und warten verbracht und der Magen knurrt.

Als unsere Nummer dann endlich ausgerufen wurde bin ich vor lauter Begeisterung von meinem Vorsprung, auf dem ich stand gesprungen und wollte die Platte entgegen nehmen, doch sie kam nicht. Eine weitere halbe Stunde lang hieß es dann, ja sie kommt sofort, ist gleich da. Aber als es dann endlich „Number 682!!!!“ hieß, waren wir so erleichtert.

Also schnell die Platte voller Fleisch geschnappt und damit ab ins Zelt (Das Fleisch ist nämlich die Eintrittskarte zum Zelt). Ich dachte, oh endlich gemütlich hinsetzen und schön in Ruhe essen, aber falsch gedacht. In dem Zelt ging eine mega Party! Wir aßen also im Stehen schon halb tanzend unsere Fleischplatte wie Löwen bei einem Overkill :D. Danach wurde dann mit Leuten aus der ganzen Welt gefeiert. Der DJ hat die bestimmt 500 Leute in dem Zelt immer weiter angeheizt. Es war echt ein super Erlebnis und ganz anders als vorher gedacht. Deutsche haben wir dort übrigens auch einige getroffen.

„Totsiens“ (bis bald)!!! Eure Maylin

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