Erfahrungsbericht Thailand

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Land
Thailand
Träger
AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.
Freiwillige/r
Christian

Schule in Phang Nga

Eigentlich hatte ich vor, alle 2 Wochen einen neuen Bericht zu erstellen...

Da man hier aber jeden Tag so viel erlebt und ich speziell während der Schulzeit gezwungen bin, abends recht früh ins Bett zu gehen (Ich muss um 6 aufstehen und bin ja jetzt Lehrer, da kann ich es mir nicht mehr leisten, so müde in die Schule zu kommen :D), wird daraus wohl nichts.

Und nun mal komplett ohne billige Ausrede: Es ist einfach sehr anstrengend und nimmt viel Zeit in Anspruch, hier etwas zu posten, also seid mir bitte nicht böse, wenn ich diesen 2-Wochen-Intervall nicht einhalte :).

Seit dem letzten Eintrag ist viel passiert: Meine Arbeit als Lehrer hat begonnen, ich habe viele neue Personen kennengelernt und ich bin schon ein wenig in der nahen Umgebung rumgekommen.



Ich fange mal ganz vorne an:

Seit Sonntag, dem 21. Juli, lebe ich jetzt in meiner Gastfamilie, das macht heute genau 3 Wochen. Glücklicherweise wurde zu der Zeit, in der ich ankam, gerade ein buddhistisches Fest gefeiert, so dass ich bis Mittwoch noch frei hatte und nicht gleich am nächsten Tag nach der Ankunft in die Schule musste. So konnte ich mich wenigstens noch mental darauf vorbereiten... jedenfalls dachte ich das (vorbereiten konnte man sich auf DAS Erlebnis aber nicht, musste ich später feststellen :D). Die freien Tage, die ich hatte, nutzte ich, um die Familie etwas besser kennenzulernen und die Nachbarschaft zu erkunden: Die Stadt ist wunderschön - sie liegt in einem Tal und ist rundum von grünen Bergen umgeben. Da es die Provinzhauptstadt ist, gibt es hier auch alles - mehrere Schulen, viele Einkaufsmöglichkeiten, ein Kino, Parks, Fitnessstudios, etc... Trotzdem wirkt es aber eher ländlich, denn alles ist grün und die Luft ist frisch :). Außerdem nahm mich meine Gastmutter mit zu einem Wasserfall in einem der vielen Nationalparks in der Nähe (siehe Fotos).

Am Donnerstag war ich dann zum ersten Mal in der Schule, der "Deebuk Phangnga Wittayayon School". Da allerdings gerade Examen bis Sonntag geschrieben wurden, hatten die meisten Lehrer (mich eingeschlossen) nichts zu tun und es waren auch immer nur ein paar Klassen in der Schule. Als meinen wirklichen ersten Schultag zähle ich deshalb Montag. Somit hatte ich aber wenigstens schon die Chance, einen Teil der Lehrer kennenzulernen - mein Büro teile ich mit 7 (oder 8?) anderen Lehrern im sogenannten "Foreign Language Department". Alle von ihnen können Englisch sprechen und sind supernett. Zu diesen Lehrern zählen auch zwei Amerikaner, die, wie ich, mit einer Austauschorganisation (in ihrem Falle ihre Universität) für ein Jahr nach Thailand gekommen sind. Beide sind 23 Jahre alt und somit im Gegensatz zu den anderen Lehrern wenigstens ungefähr in meinem Alter. Außerdem gibt es auch noch zwei 22-jährige Lehrerinnen aus China, die gut Englisch sprechen, aber leider in einem anderen Büro als ich arbeiten.

Mit den beiden Amerikanern bin ich noch am selben Tag per Motorrad in einen nahegelegenen Park zum Joggen gefahren (natürlich war ich nur Beifahrer, anderes erlaubt AFS nicht ;) ). Der Park war wunderschön, das Joggen die Hölle. Nach nicht ganz 2 Runden um den Sportplatz musste ich mich dem Wetter geschlagen geben und sitzen. Es ist unglaublich, wie schnell man bei der Luftfeuchtigkeit und den hohen Temperaturen schwitzt. Mittlerweile habe ich mich aber schon daran gewöhnt und gehe jeden zweiten bis dritten Tag joggen, da der Park nicht weit von unserem Haus ist.

Am Freitag war ich wieder in der Schule und saß so ziemlich den ganzen Tag rum (von 7.40 Uhr bis 16.00 Uhr). Zum Glück hatte ich ein Buch mitgenommen, was mir geholfen hat, die Zeit totzuschlagen.

Eigentlich mussten die Lehrer auch alle am Samstag und Sonntag wegen der Examen in die Schule kommen. Eine Lehrerin meinte aber zu uns "Jüngeren", dass wir ruhig zu Hause bleiben könnten bzw. etwas unternehmen können, da es bis Sonntag eh keine Arbeit für uns gäbe. Das haben wir dann auch gemacht und ich bin am Samstag mit meinem Gastvater zum "Sommerhaus" meiner Familie, mitten im Dschungel, gefahren, welches direkt neben einem Wasserfall steht.

Am Montag war es dann soweit, mein offizieller erster Schultag erwartete mich. Und wie es sich gehört, musste ich mich am Morgen, bevor der Unterricht beginnt, erst einmal der gesamten Schule vorstellen. Das entspricht übrigens mehr als 2000 Schülern, sowie den dazugehörigen Lehrern. Ich wurde auf eine Bühne gestellt, mir wurde ein Mikrofon in die Hand gegeben und dann sollte ich drauflosreden :D. Zum Glück hatten wir auf dem On-Arrival-Camp mit AFS einige Thai-Sätze gelernt, mit denen ich mich vorstellen konnte. Und ergänzend habe ich dann noch ein paar Sachen über mich auf Englisch gesagt. Ganz wichtig: Lächeln nicht vergessen :)!!

Nachdem ich fertig gesprochen hatte, begannen alle Schüler wie wild zu jubeln und zu klatschen, als hätte gerade eine Rockband ein Konzert gegeben, dabei habe ich mich doch nur vorgestellt. Perplex verließ ich die Bühne und wurde von einigen Lehrern ins Büro begleitet, wo ich dann auch meinen Stundenplan bekam. Insgesamt unterrichte ich vorerst 5 Klassen, alle im selben Jahrgang und 14 bis 15 Jahre alt. Meine erste Unterrichtsstunde hatte ich dann auch noch am selben Tag und musste mehr oder weniger improvisieren, da ich vor der Stunde noch nicht wusste, wie gut oder schlecht meine Schüler sein würden. Ich begann damit, sie sich vorstellen zu lassen und redete mit ihnen über ihre Hobbies, was ganz gut klappte. Allerdings sprechen fast alle wirklich kaum Englisch und verstehen wenig, sodass es schwierig ist, den Schülern zu erklären, was ich von ihnen will. Dennoch machte es unglaublich viel Spaß.

Die restliche Woche verlief ähnlich: Ich stellte mich meinen Klassen vor, diese stellten mir als erstes persönliche Fragen (How tall are you? Do you have a girlfriend? Do you have Facebook? Komischerweise können sie diese Sätze :D) und dann versuchte ich, meinen Plan für die Stunde durchzuziehen.

Das Schüler-Lehrer-Verhältnis hier in Thailand ist allerdings komplett anders als in Deutschland. Die Schüler haben mehr Respekt vor den Lehrern und sind stets sehr hilfsbereit, die Anteilnahme am Unterricht ist jedoch weitaus geringer. Oft ist es schwer, die Klasse dazu zu bekommen, sich auf den Unterrichtsstoff zu konzentrieren. Stattdessen wird gerne mal mit dem Handy gespielt oder mit dem Nachbarn gequatscht. Da die Schüler es aber nie anders kannten, werde ich mich wohl oder übel daran gewöhnen müssen, dass nicht immer der Fokus der gesamten Klasse auf dem Lehrer liegt. Es hat aber auch seine positiven Seiten, da man als Lehrer so viel lockerer an den Unterricht rangeht.

In der Woche danach hatte ich nur am Montag und Dienstag Unterricht, da ein Großteil des Kollegiums von Mittwoch bis Sonntag auf eine Insel fuhr, um Urlaub zu machen. Die Schule fiel deshalb aus :).

Meine ersten drei freien Tage verbrachte ich dann mit meinem Gastbruder. Wir gingen unter anderem zusammen auf einen Abendmarkt, er zeigte mir seine Computerspielesammlung und wir spielten Tischtennis.

Und jetzt kommt der schönste Teil meiner freien Tage :D

Eine Lehrerin hatte mir angeboten, mich von Samstag zu Sonntag (=heute, ich bin gerade frisch zurück) mit ihr und einigen Lehrern des Community Colleges meiner Stadt mit auf eine Insel hier im Süden Thailands zu nehmen. Natürlich nahm ich dankend an.

Jedenfalls sprach sie davon, dass wir campen gehen würden, ich stellte mich innerlich deshalb auf Zelte ein. Anscheinend wird Camping hier aber anders verstanden ^^ (siehe Fotos)

Nachdem ich am Samstag 4.45 Uhr aufgestanden war (!), brachte mich mein Vater zu einem Treffpunkt im Ort, an dem ich mit einem kleinen Reisebus abgeholt wurde. Nach einer Stunde Fahrt kamen wir in Phuket an und von dort aus ging es mit einer Fähre weiter nach "Koh Yao Yai", der Insel. Schon bei der Ankunft hatte ich das Gefühl, im Paradies gelandet zu sein. Ich glaube, die Fotos sprechen für sich.

Dazu kam, dass unter den anderen Personen (insgesamt waren wir 32) noch ein Pärchen war, das sehr gut Englisch sprechen konnte. Sie ist 25, und er ist 30 und Thai-Lehrer :D! Beide sind supernett, haben mir viele neue Wörter beigebracht und mir gleich angeboten, sich, sobald wir zurück vom Trip sind, mal wieder zu treffen.

Heute Vormittag waren wir dann noch auf zwei kleineren Inseln (wirklich klein, es dauerte keine 5 Minuten, sie zu Fuß zu umrunden) auf denen wir auch baden konnten. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, auf dem Rückweg das Boot zu verlassen und über einem Korallenriff mit Fischen zu Schnorcheln. Das war einfach unglaublich!!

Gut, das war es erst einmal wieder von mir. Da es jetzt langsam spät wird und ich morgen vermutlich recht früh raus muss (es ist Muttertag und gleichzeitig der Geburtstag der Königin), werde ich meine jetzigen Gedanken in den nächsten Blogeintrag verschieben. Wer weiß, was bis dahin noch alles passieren wird :).



Montag, 11. November 2013

Mein Oktober zusammengefasst....

und ein bisschen vom September und November :D

Und abermals fängt mein Blogeintrag mit einer Entschuldigung an :)...

Im Vorigen hatte ich großspurig angekündigt, in spätestens 3 Wochen einen neuen Eintrag hochzuladen. Allerdings kamen etliche Dinge dazwischen, die es mir erschwerten, den Eintrag fertigzustellen. Unter anderem fingen meine Ferien über eine Woche später als gedacht an (das wurde mir jedoch erst kurzfristig gesagt) und die Schule begann früher als geplant. Mir blieben somit 11 freie Tage (anstatt mehr als 3 Wochen), die ich zum Reisen mit Freunden nutzte. Und in der Zeit danach folgten viele weitere Sachen, wie zum Beispiel ein Camp mit meiner Entsendeorganisation AFS, doch dazu später mehr.

Genug der Rechtfertigung - es tut mir wirklich Leid, dass mittlerweile bereits 6 Wochen verstrichen sind.

Mein Geburtstag
Der 2. Oktober war für mich ein besonderer Tag - mein Geburtstag. In Deutschland bedeutet das, alle Verwandten kommen am Nachmittag zu Besuch, es wird zusammen Kaffee getrunken und Abendbrot gegessen, es gibt Geschenke und alle plaudern ausgelassen miteinander. In Thailand ist das allerdings etwas anders: Geburtstage spielen hier keine große Rolle. Davor hatte uns auch schon AFS "gewarnt".

Umso mehr habe ich mich dann gefreut, als meine Familie mich am Abend als Überraschung mit in ein Restaurant nahm und einen Kuchen vorbereitet hatte. Auch auf der Arbeit zuvor gab es ein paar Kleinigkeiten von Schülern - unter anderem eine Torte.

Nichtsdestotrotz schwang an diesem Tag auch etwas Heimweh mit. Zwar fühle ich mich hier sehr wohl, doch in ruhigen Momenten konnte ich mich bei dem Gedanken an meine Familie und Freunde in Deutschland erwischen. Gut, dass mir an diesem Tag nicht viel Zeit zum Nachdenken blieb :)! Dafür bin ich meiner Gastfamilie sehr dankbar, die sich liebevoll um mich gekümmert hat.



In der Schule

Am Wochenende danach besuchte ich mit meiner Mutter, meiner Schwester und einer Freundin der Familie einen Tempel, um dort Buddha und den Mönchen in einer Zeremonie Respekt zu erweisen. Dazu zählten mehrere Gebete und Sprechgesänge, eine gemeinsame Mahlzeit, sowie die Übergabe von "Spenden" an den Tempel in Form von Essen und Geld. Bilder habe ich dabei leider nicht gemacht, das nächste Mal werde ich aber an die Kamera denken. (Für all diejenigen, die jetzt empört denken, dass ich die Kamera beim nächsten Mal besser auch nicht mitbringen sollte: Im Tempel hatte jeder zweite Thai ein iPad oder ein Handy in der Hand und fotografierte. Ich hatte ebenfalls erst gedacht, es wäre respektlos, meine Kamera mitzubringen, doch im Gegenteil: Ich wurde gefragt, wieso ich meine denn nicht dabei hätte :D )

Unerwartet musste ich in der darauffolgenden Woche doch noch bis zum Donnerstag arbeiten.

Die Schüler waren schon längst in die Ferien verabschiedet worden, doch wir Lehrer mussten Vorbereitungen für das nächste Schulhalbjahr treffen, die Klassenbücher ausfüllen und die Notengebung beenden. Da ich den Großteil davon schon in der vorigen Woche beendet hatte, bestand die Zeit für mich hauptsächlich aus Bücherlesen, Musikhören und andere Lehrer in ihren Büros besuchen. Die Arbeit am Blog verschob ich auf das Wochenende, da der Computer in unserem Büro schrecklich langsam ist, doch wie schon zu erahnen ist, kamen neue Pläne dazwischen :D!

Mehr von Christian findest du auf seinem Blog:
christiangoesthai.blogspot.de

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