Nepal Erfahrungsbericht - VIA e.V. - Verein für internationalen und interkulturellen Austausch - CWIN (Child Workers in Nepal Concerned Centre)

Erfahrungsbericht Nepal

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Land
Nepal
Träger
VIA e.V. - Verein für internationalen und interkulturellen Austausch
Freiwillige/r
Milena

CWIN (Child Workers in Nepal Concerned Centre)

Happy Holi!

Die wohl größte Wasser- und Farbenschlacht der Welt findet in Indien und Nepal an „Holi“ statt. Holi läutet den Frühling ein und es gilt, sich den ganzen Tag mit Farben zu beschmieren und mit Wasser zu bewerfen. Egal wer an diesem Tag das Haus verlässt, keiner bleibt verschont. Ständig knallen Wasserbomben von den Hausdächern herunter und Banden streichen umher, die einem zwar sehr freundlich Farbe ins Gesicht schmieren, einen aber trotzdem gnadenlos mit Wasser bewerfen. Auch ich hatte mich mit den Jungs meiner Familie auf Holi vorbereitet. Wir waren mindestens 2 Stunden am Abend davor damit beschäftigt Wasserbomben mit rotem Wasser zu füllen, um sie dann am nächsten Tag gegen fremde Leute zu verfeuern. Am Ende des Tages war ich klitschnass und hatte mir erst einmal eine ordentliche Erkältung zugezogen. Meine Haare sind immer noch rot von der Farbe, die sich nicht rauswaschen lässt und die Straßen sind etwas farbiger als sonst, wie auch viele der Hauswände.

In meinem Projekt, dem „Balika Home“ geht’s zurzeit etwas ruhiger zu. Viele Mädchen, die von Anfang an da waren, sind jetzt gegangen. Manche sind im „Peace Home“ oder bei anderen Organisationen untergebracht, viele konnten zu ihren Familien zurück. CWIN versucht für die Eltern der Kinder Trainings zu veranstalten, wodurch die Kinder wieder reintegriert werden können. Bei manchen Eltern, z.B. bei Alkoholikern klappt das nicht unbedingt und somit müssen andere Lösungen für die Kinder gefunden werden.

Zurzeit ist eine holländische Freiwillige zu besuch, die Kinderrechte studiert und für ihren Research Mädchen interviewt, die in die Großmetropolen Indiens verkauft wurden und dort als Prostituierte arbeiten mussten. Sie hat die Kinder allerdings nicht über ihre Vergangenheit, sondern über ihre Zukunftsvorstellungen und Träume befragt. Eine sagte dabei, dass sie glaube, dass ihre Freunde und ihre Familie sie nicht mehr akzeptieren würden und sie deswegen am liebsten nicht zurück möchte in ihr Dorf. Und tatsächlich, viele Familien akzeptieren ihr Kinder nicht mehr, nachdem sie aus Indien zurückkommen, obwohl ihnen ein hartes Schicksal widerfahren ist. Die Kinder müssen geheim halten was passiert ist und müssen mit schweren psychischen Problemen leben.

Die Organisation „Maiti Nepal“ ist einer der Vorreiter, was den Stopp des Frauenhandels angeht. Sie betreut die Frauen, die zurückkommen und hilft ihnen, ihre entstandenen Probleme zu verarbeiten. Auch hier vor Ort werden Jugendliche Opfer des Sexbusiness, welches anfängt, sich auch in Thamel, dem Touristenviertel auszubreiten.

Nun ist schon fast ein halbes Jahr vergangen und es ist Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen. Dafür fahre ich Morgen zusammen mit Kilian und Laura gen Indien zum Zwischenseminar nach Bangalore. Die Fahrt im Zug dauert ca. 3 Tage und wird gewiss eine Tortur. Dennoch freue ich mich sehr, Indien kennenzulernen. Zudem machen wir einen Zwischenstopp in Varanasi, ehemals Benares genannt.

Also freut euch schon mal auf einen spannenden Bericht aus Varanasi. Bis dahin, liebe Grüße und bis bald.

Kosto Raamro

Heute ist Sonntag, einer meiner freien Tage. Zeit um meine Klamotten zu waschen. Diese wäscht man mit der Hand, denn eine Waschmaschine kann sich hier keiner leisten. Wenn man seine Sachen nicht selbst waschen will, ist es immer noch günstiger diese jemandem zum Waschen zu geben. Die Wochen verstreichen und 2 Monate habe ich bereits hinter mich gelegt. Laura ist wieder da und hatte in ihrem Gepäck wunderbar viel gute Medizin von meiner Mutter, die vor allem gegen die Magenbeschwerden helfen. Zudem noch ein Weihnachtsgeschenk: eine neue Kamera.

Letzte Woche Samstag, der Tag an dem die Arbeit hier überall ruht, haben Yasmina und ich uns auf den Weg nach Patan gemacht um uns dort den Durbar Square anzuschauen und den Schnitzer zu besuchen. Der Durbar Square ist das religiöse Zentrum einer Stadt, wo viele Prozessionen und religiöse Rituale stattfinden. Der Platz liegt sehr geschützt vom Lärm der Straße im Vergleich zum Durbar Square Kathmandus. Dort angekommen wurden wir von einem netten jungen Mann angesprochen, der wirklich gut Englisch sprach. Er bot uns an, eine Führung zu machen, ohne dass wir dafür bezahlen müssten. Zunächst zögerten wir noch, denn man wird hier auch gelegentlich gerne verarscht, aber dann ließen wir uns doch darauf ein. So führte uns Shiam, so war sein Name, über den Durbar Square und zeigte uns die schönsten Ecken von Patan. Unter anderem einen buddhistischen Tempel, der fast komplett aus Silber und Gold bestand. Einen hinduistischen Tempel, wo gerade an dem Tag ein kleines Gebetsfest stattfand. Viele Menschen zündeten Feuer an und warfen dann Reiß hinein. Uns wurde von einer alten Dame eine Tika auf die Stirn gemalt.

Dann lernten wir noch den „Master of Sound“ kennen. Ein kleiner Mann mit einem Klangschalen-Laden, in dem er nur selbstgeschlagene Klangschalen verkauft, weil diese den besten Klang haben. Er legte uns eine Klangschale verkehrtherum auf den Kopf und schlug diese an. Ganz beduselt gingen wir aus dem Laden zurück zum Durbar Square, wo uns Shiam auf ein köstliches typisches Newar-Essen einlud. Newar ist eine von vielen Volksgruppen hier, die vor allem für ihr großartiges Schnitzhandwerk bekannt sind. Es gab selbstgebrautes Reis-Bier, einen Fleisch-Eier-Pfannkuchen und Beaten-Rice, plattgestampften Reis. Vollgestopft setzten wir uns auf die Treppen eines Tempels und verabschiedeten uns von Shiam. Da kam ein 7-jähriges Mädchen auf uns zu und bettelte. Wir sprachen mit ihr Nepali und kauften ihr etwas zu Essen und zu trinken. Sogleich kamen andere

Kinder, die auch etwas abhaben wollten. Der eine konnte gut Englisch sprechen und wir baten ihn dem kleinen Mädchen zu sagen, dass sie nach Hause gehen solle, da es gefährlich sei, für kleine Kinder, alleine unterwegs zu sein. So ging das Mädchen nach Hause und wir auch. Den Schnitzer hatten wir leider ganz vergessen, zu besuchen.

Am nächsten Tag nach der Arbeit schlenderte ich noch ein wenig bei der Swayambunath rum, die wichtigste buddhistische Stupa Kathmandus. In einem kleinen Shop traf ich einen sehr freundlichen Mönch. Sonam Lama. Nach dem wir mit dem Shopbesitzer einen Tee getrunken hatten zeigte Sonam mir sein Kloster in dem er, seit er 5 Jahre alt ist, gelernt und gelebt hat und in dem er jetzt, mit 25 Jahren, die kleinen Mönche die tibetische Schrift lehrt. In jedem Kloster gibt es einen großen Raum, in dem gebetet und studiert wird. Der komplette Raum ist mit bunten Bildern bemalt und im Zentrum ist eine große, vergoldete Statue von Buddha.

Dann machte er noch einen kleinen Spaziergang mit mir, auf einen Berg ganz in der Nähe. Auf dem Weg zum Gipfel waren überall Gebetsflaggen gespannt, die in diesen Höhen aufgehängt werden, wenn jemand etwas großes, wie z.B. eine Reise vorhat und sich von dem aufhängen der Flaggen ein gutes Gelingen verspricht. Die bunten Fahnen flatterten im Wind und schon bald waren wir, den steilen Weg hinauf gegangen, an einem weiteren Kloster angekommen. Dort begrüßten uns drei Hunde, die uns beim umrunden des Klosters verfolgten und anbellten. Wir genossen die wunderbare Aussicht auf Kathmandu und auf ein weiteres Tal außerhalb des Kathmandu-Tals, welches man von diesem Punkt aus sehen konnte. Die Häuser entlang des Weges waren sehr dörflich, und der Autolärm war plötzlich verschwunden. Schon wieder wurde ich zum Essen eingeladen und ich sollte auch noch aussuchen, was wir Essen sollten. Letztendlich musste Sonam dann doch bestellen, wobei er versuchte möglichst westlich zu bestellen. Chopsuey und Pommes. Wiedereinmal pappsatt und mit einem guten Gefühl im Herzen, fuhr ich nach Hause.

Donnerstag ging es dann, mit dem ganzen „Balika-Home“ raus aus der Stadt zum Picknicken. Ouma und Soni Miss hatten den Ausflug geplant und dafür einen großen Bus angemietet, der uns alle zu einem schönen Picknickplatz fuhr. Die Mädchen waren alle völlig überdreht und sangen die ganze Busfahrt über lautstark Nepali-Lieder. Der Picknickplatz lag außerhalb der Stadt, an einem hinduistischen Tempel, umgeben von einem Wald mit großen Bäumen. In dem Wald waren überall kleine Picknickplätze angelegt. Wir hatten zwei Kocher, zwei fette Wasserkanister und ganz viel Gemüse, Reis u.s.w. dabei. Nach dem ersten Frühstück gab es ein 2. größeres Frühstück. Heute kochten alle, die Lust hatten zu helfen. Die Kinder spielten Federball, oder trieben sich am Tempel herum. Auch ich ging mit zum Tempel und ließ mir eine Tika geben. Ich bezahlte für alle zusammen 10 Rupien für die Tikas, was die Frau allerdings nicht zufrieden stellen wollte, die mir die Tika gegeben hatte, denn sie dachte sie würde mit mir das Geschäft ihres Lebens machen, wesahlb sie zu unserem Platz kam und mit Ouma und den anderen diskutierte. Die Kinder hatten mich derweil an der Hand genommen und hinter einem Baum versteckt. Die ganze Situation war wirklich sehr amüsant.

Zum Abendessen wurde dann noch einmal richtig gut aufgetischt, bevor es mit dem Bus wieder nach Hause ging. Die kleinen Welpen hatten wir vom „Balika-Home“ mitgenommen und wir setzten sie am Picknickplatz aus. Das hört sich zwar gemein an, aber Hunde sind Straßenhunde und eigentlich keine Tiere, die man mit in sein Zuhause nimmt. Sie haben die Möglichkeit alleine klarzukommen. Auch wenn das Leben auf der Straße hart und gefährlich ist, denn die Hunde müssen sich ihre Reviere und Mahlzeiten erkämpfen.

Das einzige, was mich an dem Tag doch wirklich ärgerte, war, dass wir einfach all den Müll, den wir mit unserem Picknick produziert hatten, in dem schönen Wald liegen ließen. Keiner mag es hier, wenn der Müll rumliegt und doch schmeißen alle ihren Müll einfach dahin, wo sie gerade stehen. Das Problem liegt natürlich einerseits an dem fehlenden Bewusstsein, dass man mit Plastikmüll die Umwelt zerstört, andererseits stehen nirgends Mülleimer und auch eine funktionierende Abfallwirtschaft scheint es hier nicht wirklich zu geben. Der Müll wird halt einfach verbrannt. Hinzu kommt, dass Plastikmüll hier noch nicht lange existiert und die Kultur der Verpackungen auch nicht aus der nepalesischen Kultur entsprungen ist, sondern aus den westlichen Ländern importiert wurde.

Kein funktionierendes, sondern ein korruptes System = Keine Abfallwirtschaft, wenig Kinderrechte, wenig Menschenrechte. Wir in Deutschland, und ich hier als Deutsche, wir leben auf einem verdammt weichen Kissen. Wenn ein Krieg ausbrechen würde, wär die deutsche Botschaft sofort zur Stelle. Würde man entführt werden, wäre die deutsche Regierung zur Stelle. Soviel es auch zu meckern gibt am deutschen System, im Vergleich zu den meisten Ländern der Welt haben wir es einfach verdammt gut. Wir haben keine Kinder, die im Restaurant arbeiten müssen, damit die Familie sich ernähren kann. Sterben bei uns die Eltern eines Kindes, so landet das Kind nicht auf der Straße. Allerdings ist zu bedenken, dass das Brett, auf dem das Kissen liegt, von Menschen aus der sogenannten "dritten Welt" getragen wird. Die Frage ist, wie lange das noch funktioniert!?

Am Freitag war der Tag der Kinderrechte und der 22. Geburtstag von CWIN. Dieses Fest wurde von CWIN groß, aber nicht dekadent, gefeiert. CWIN hatte dafür eine Halle im Zentrum von Kathmandu angemietet und alle Kinder und Mitwirkenden von CWIN eingeladen. Die Feier begann mit einem recht bekannten nepalesischen Sänger. Danach gab es viele Reden und dann kam der kulturelle Teil. Dafür hatten einige Mädchen, schöne nepalesische Tänze einstudiert, die sie in schimmernden, bunten Kostümen vorführten. Es gab auch Lieder zu hören und ein Mädchen sang ein Lied ganz alleine. Es war echt schön, die Kinder wiederzusehen, die nicht mehr im „Balika-Home“, sondern in anderen Projekten sind.

Danach machten Michi, Laura und ich uns auf den Weg zu einem kostenlosen Konzert, anlässlich des „Child Rights“ Day. Dort spielten die bekanntesten und besten nepalesischen Bands. Der Platz war vollgestopft und die vielen Jugendlichen und Kinder waren alle ganz aus dem Häuschen. Es wurde ausgelassen getanzt und gesungen und anstatt der Nebelmaschinen, warfen manche Staub in die Luft, durch den das Scheinwerferlicht so richtig zur Geltung kam. Mit knirschenden Zähnen, wegen des Sandes im Mund, fuhren wir zurück.

Gestern hatten dann 3 Freunde, die wir aus einem Shop am Durbar Square kennen, Yasmina und mich zu einem kleinen Ausflug eingeladen. Wir fuhren 2 Stunden mit dem Motorrad aus Kathmandu raus. Die Straßen waren ohne jegliche Absperrung an den Seiten, und es ging höllisch tief runter. Kein Wunder, dass hier des Öfteren Busse abstürzen. Das Schnellste, was wir fuhren, war 40 km/h und das fühlte sich schon wirklich schnell an. Sicher kamen wir bei einer Fischfarm an, die mitten in den Bergen liegt. Ich durfte die Fische mit einem Hieb auf den Hinterkopf töten, bevor sie uns dann gleich frisch zubereitet wurden.

Wir erlebten einen echt schönen Ausflug, mit einer atemberaubenden Sicht auf die umliegenden Berge, und deren Reisterrassen. Es war schön mal einen Blick von dem idyllischen Dorfleben zu erhaschen. Abends saßen wir noch alle zusammen im Shop, tranken Kaffee und schauten uns die Fotos von unserem kleinen Ausflug an.

Heute hat mich Sabina zu ihrer Mutter nach Hause eingeladen. Sabina holt mich gleich von Zuhause ab.

Mehr von Milena findest du auf ihrem Blog:
milena-in-nepal.jimdo.com

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