Erfahrungsbericht Südafrika

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Land
Südafrika
Träger
VoluNation
Freiwillige/r
Birgit W.

Schulprojekt in Kapstadt

Alleine etwas Neues zu erleben, die eigene Persönlichkeit zu stärken, der Umgang mit Kindern und die Verbesserung der Fremdsprache - all das zählte zu meinen Motivationen, die nirgendwo anders besser erfüllt hätten werden können als in Südafrika! In einem Land, das an jeder Straßenecke anders ist und wo die Menschen eine Gastfreundschaft besitzen, die man sich bei uns in Europa gar nicht vorstellen kann.

Aus diesem Grund habe ich mich am Anfang des Jahres über alles Mögliche erkundigt und wurde mit jedem Erfahrungsbericht, den ich gelesen hatte, überzeugter, dass genau das das Richtige für mich ist! Mit dutzenden Informationen und trotzdem absoluter Ahnungslosigkeit, was mich dort unten wirklich erwartet, stieg ich also in das Flugzeug und kam knappe 16 Stunden später am anderen Ende der Welt wieder an. Endlich angekommen erlebte ich gleich von Beginn an eine überaus freundliche Begrüßung, bei der nicht einfach nur die Hände geschüttelt wurden, sondern gleich dicke Umarmungen mit Fragen wie "Möchtest du etwas essen, irgendetwas trinken? Brauchst du sonst irgendetwas?" stattfanden.



An meinem ersten Tag lernte ich bereits kennen, was Armut im afrikanischen Sinn bedeutet – winzige Hütten aus Wellblech für ganze Familien, Straßenhunde, soweit man sehen konnte, Menschen mit verschmutzten Kleidern am Straßenrand, hoffend auf eine Mitfahrgelegenheit oder ein bisschen Arbeit. Doch trotz dieses Kulturschocks aßen wir dort am Straßenrand das beste gegrillte Fleisch, das ich je hatte – natürlich mit den Fingern, ohne Serviette und die Knochen wurden einfach auf den Boden geworfen!

Am Montag hatten wir dann unseren Einführungstag in Kapstadt, bei dem alle neu angereisten Freiwilligen auf Besonderheiten hingewiesen wurden, wir unseren Ansprechpartner kennenlernten und eine Führung durch die Stadt bekamen. Danach ging es zurück in unser Hostel. In den Zimmern schliefen wir mindestens zu sechst und aus allen Herren Ländern, was vor allem für die Verbesserung der englischen Sprache von Vorteil war! Was besonders an diesem Haus hervorzuheben ist, ist die 24-Stunden-Rezeption sowie der gesicherte Eingangsbereich, bei dem keine fremden Personen hineingelangten. Außerdem möchte ich unbedingt erwähnen, dass diese Menschen sich dort so um uns kümmerten, als wären wir deren eigene Familie - egal, ob es nur um einen Gang zum Bankautomaten ging, bei dem sie uns begleiteten; beim Fortgehen dafür sorgten, dass uns nicht die falschen Personen ansprachen oder auch auf unsere Taschen aufpassten, damit wir sorglos zur Musik tanzen konnten! Dadurch fühlte ich mich besonders sicher und durch den liebevollen und hilfreichen Umgang mit dem Hostel-Personal war es ein perfektes Zuhause für die nächsten vier Wochen!

Am nächsten Tag ging es dann auch endlich zu den Kindern! Durch die perfekte Lage unserer Unterkunft hatte ich nur einen 5-Minuten-Weg zu Fuß vor mir, um in die Schule zu kommen. Dort angelangt wurden wir von der Direktorin begrüßt und in unsere Klassen eingeteilt. Ich hatte das Glück, zusammen mit einer Engländerin in eine Grade I zu kommen - soll heißen, dass dort 43 quicklebendige Kinder im Alter zwischen 6 und 8 Jahren auf uns warteten! Bereits nach einer knappen Stunde wurden wir mit überaus herzlichen Umarmungen, Handküssen und Komplimenten umgarnt, was für mich anfangs sehr ungewohnt war, da solche Herzlichkeiten bei uns in Österreich von den Kindern nach dieser kurzen Zeit nicht üblich sind.

Unser üblicher Tagesablauf sah wie folgt aus: Schulstart war für uns Freiwilligen zwischen 8 und 9 Uhr, danach bekamen wir ein paar Kinder zugeteilt, mit denen wir dann entweder Mathematik-, Schreib- oder Leseaufgaben durchmachten. Nach einer Woche wurden wir dann in die gesamte Klasse integriert und halfen bei allen möglichen Aufgaben, Tests und Vorbereitungen für die nächsten Schultage. Da unsere Lehrerin unser Engagement sehr schätzte, stand es uns frei, ob wir um 13 Uhr oder erst später gehen wollten.

Da es für mich das erste Mal war, dass ich als Lehrerin unterrichtete, war ich besonders von der Lernbereitschaft der meisten Kinder überrascht. Im Grunde war die Verständigung untereinander sehr einfach, da die Schüler ein fließendes Englisch sprechen, was besonders erwähnenswert ist, wenn man bedenkt, dass sie aus den Townships kommen und eigentlich Afrikaans und Xhosa als Muttersprache sprechen. Auch die Neugier nach meinem Land, der Kultur und meiner Familie stand täglich zur Debatte, wobei z.B. folgende Fragen aufkamen "Warum habt ihr goldene Haare? Warum habt ihr kein Meer? Warum habt ihr so große Häuser?"

Was die meisten jedoch nicht glauben konnten, war, warum wir Freiwilligen vom "anderen Ende der Welt" genau zu ihnen kamen, wo doch unsere Familien bei uns daheim waren. Natürlich versuchte man es so gut es ging zu erklären und zu begründen, doch nicht nur sie lernten von uns Neues – auch wir erfuhren Geschichten über ihre Familien, was es bedeutete, als Kind in einem Township zu leben und ein sechsjähriger Junge brachte mir sogar ein paar Wörter auf Xhosa inklusive Schnalzgeräuschen bei.

Außerhalb der Schule versuchten wir, so viel wie möglich zu erleben – angefangen von kurzen Nachmittagsausflügen zu den Stränden mit den atemberaubendsten Sonnenuntergängen, die man sich nur vorstellen kann, bis hin zu 3-Tagestouren an den Wochenenden. Diese Touren wurden stets über unser Hostel gebucht und enthielten ziemlich alles, was man sich von Südafrika vorstellt: das Kap der guten Hoffnung, Cape Agulhas, Pinguine, Strände, wunderschöne Landschaften, eine Safari mit einem Lions Walk, bei dem man mit zwei Löwen spazieren geht, Elefanten reiten und vieles mehr...



Im Nachhinein kann ich nur jedem raten, seine Zeit so gut wie möglich zu nutzen, denn es ist wirklich eine unglaubliche Erfahrung, wie unterschiedlich es von einem Ort zum nächsten sein kann. Ich glaube, Südafrika hat nicht umsonst den Titel "Regenbogenland" bekommen, denn an jeder Ecke kann man neue Leute mit persönlichen Geschichten kennenlernen, unterschiedliche Gerichte und Getränke ausprobieren und einfach auf dieser sorglosen Ebene leben, wie es nur diese Menschen dort können.
Außerdem würde ich jedem eine Wanderung auf den Tafelberg und auf den Lion's Head empfehlen und auch, wenn der Aufstieg ziemlich beschwerlich und ermüdend sein kann, der Ausblick ist es auf jeden Fall wert!

Was genau das Highlight meines Aufenthalts war? Vielleicht die neuen Freunde, die ich dort kennen gelernt habe, vielleicht die Kinder, die einem wirklich ans Herz wachsen oder die zahlreichen Sonnenuntergänge, das Quad-Biking, die atemberaubenden Aussichten, die Cango-Caves, die unterschiedlichsten Bauarten von Häusern, der einen Monat alte Elefant, die Fahrten mit den Minibus-Taxis, der Besuch im Township. Ehrlich gesagt ist es einfach unmöglich, ein einziges Highlight aus diesen vier Wochen herauszuholen – am besten, ihr organisiert euch selber eine solche Reise und entscheidet dann, was euer persönliches Highlight war!

Das südafrikanische Leben lässt sich mit unserem österreichischen absolut nicht vergleichen! Egal, ob es um den Bezug zum Geld geht, die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft oder einfach nur um die Dankbarkeit, dass wir für sie etwas getan haben – sei es auch noch so schlicht. Im Grunde kann man diese Lebensart einfach nur genießen und hoffen, dass sie irgendwann auch bei uns durchsickert.

Was ich noch jedem zukünftigen Freiwilligen empfehlen kann: Wenn ihr etwas Gutes für die Kinder dort tun wollt, versucht es mit Kleinigkeiten wie zum Beispiel mit Bleistiften, Radiergummis, Spitzer oder Farbstiften. Denn dies sind Sachen, die zwar für uns selbstverständlich sind, dort unten aber schon zu Luxusgütern zählen. Denn von meinen 43 Kindern in der Klasse hatten mehr als schockierende 50% nicht mal einen Bleistift, um ihre Hausaufgaben, Tests oder Übungen zu machen, da es sich die Eltern einfach nicht leisten können! Und diese aufrichtige und herzliche Dankbarkeit rührt einem wirklich zu Tränen, wenn man sieht, was ein geschenkter Bleistift bewirken kann!!

Ob es mir schwer gefallen ist, nach Hause zurückzukommen und den Alltag des Studierens wieder zu begegnen, der absolut nichts mit diesem Kinderprojekt zu tun hat? Ich würde lügen, wenn ich es verneinen würde. Natürlich freut man sich auf seine Familie und Freunde! Trotzdem verlässt man das Land mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits weil man unglaubliche Erfahrungen gesammelt hat, die einem das restliche Leben begleiten werden und andererseits, weil man nicht weiß, was aus den Kindern dort wird, die einem wirklich ans Herz gewachsen sind.


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