Erfahrungsbericht Südafrika

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Land
Südafrika
Träger
VoluNation
Freiwillige/r
Laura N

Freiwilligenarbeit in einer Tierauffangstation in Südafrika

Ein Zeitungsartikel setzte mich in Brand. Ich las über die Möglichkeit, freiwillig in aller Herren Länder arbeiten zu können und dabei die Menschen und die Kultur kennenzulernen. Als Tiernarr stand für mich fest, dass ich mit den kleinen Vierbeinern arbeiten möchte, sodass ich nur noch ein passendes Projekt finden musste. Und da tauchte Südafrika auf, das Land meiner Sehnsüchte, seit ich es als Neunjährige bereits einmal bereist und bestaunt hatte. Der Rest war ganz einfach: Ich berichtete einer Freundin von meinen Plänen für die Semesterferien und konnte sie augenblicklich für diese besondere Reiseform begeistern. Wir meldeten uns an, schickten ein paar formelle Dokumente ab und warteten auf die Zusage, die uns ein paar Tage später das „Go!“ für unsere Reisevorbereitungen gab. Ein Flug musste gebucht, ein internationaler Führerschein beantragt und manch wetterfeste Kleidung erstanden werden. Da wir nur etwa 7 Wochen in Südafrika verbringen würden, mussten wir kein Visum beantragen. Meine vielen Fragen vor dem Abflug beantworteten die Mitarbeiter in Deutschland immer sehr schnell und freundlich. Häppchenweise bekamen wir Informationen über unsere Arbeit im Projekt, den Ort des „Geschehens“ und unsere Gastfamilie, die uns in den vier Wochen ein Dach über dem Kopf bieten würde.



Und endlich war es so weit: Die letzten Klausuren waren geschrieben und unser gesamter Fokus lag auf Südafrika. Am Flughafen von Kapstadt lernten wir die erste Südafrika-Regel kennen: Stay calm and wait. Südafrikaner nehmen alles etwas lockerer und ihr Lebensrhythmus ist deutlich langsamer. An der Supermarktkasse, am Schalter und zu Verabredungen beeilt sich niemand. So holten uns mit etwas Verzögerung (genannt: african time) die sehr netten Organisatoren ab und brachten uns in das student house, das sich in einem netten, aufgeräumten Viertel der Stadt befindet. Auch wenn die ersten vier Tage, die wir dort verbrachten, informativ und wichtig waren, um einen kleinen Überblick über die südafrikanische Kultur und das Leben in Kapstadt zu bekommen, freuten wir uns bereits auf die Ankunft in unserer Gastfamilie.

Mit dem Beginn einer neuen Woche wurden wir in unser Projekt eingeführt. Die Tierauffangstation in Kapstadt ist eine überschaubare Mischung aus Tierarztpraxis und Tierheim für Hunde und Katzen. Ein Katzenhaus mit Freigehege beherbergt die Katzen, die sich dort frei bewegen dürfen und zahlreiche Zwinger stehen den Hunden zur Verfügung, wobei die meisten Hunde mindestens zu zweit darin leben dürfen und täglich in großen Ausläufen ihre sozialen Kontakte mit den anderen Hunden knüpfen dürfen. Zusätzlich zu der Arbeit, die die Wärter und die Damen in der Adoptionsstelle machen, betreibt der Träger aktiven Tierschutz im ganzen Land, sammelt streunende sowie verletzte Hunde und Katzen ein und versorgt diese. Um die unkontrollierte Verbreitung von unerwünschten Tieren zu minimieren, wird jedes Tier kastriert oder sterilisiert. Dies, die sehr gute Organisation, die offensichtliche Tierliebe aller Beteiligten und der blitzsaubere Zustand des Tierheims haben aus der Tierauffangstation einen sehr attraktiven Arbeitsplatz gemacht. Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und beantworten jede Frage. Sie arbeiteten uns ein und ließen uns anschließend freie Hand.

Zu unseren Aufgaben gehörte nur Weniges, dafür aber Schönes und vor allem Wichtiges. Wir wurden gebeten, mit den Tieren zu spielen, ihnen tägliche Streicheleinheiten zu geben und die Hunde auf dem Gelände Gassi zu führen. Hin und wieder wuschen wir einen Hund oder machten die Tierärzte auf eine Besonderheit aufmerksam, außerdem halfen wir bei der Organisation von Dokumenten und achteten darauf, dass jedes Tier frisch gewaschene, gemütliche Decken und Spielzeug zur Verfügung hat. Die Tiere dankten es uns mit ihrer unbändigen Freude, uns zu sehen und zu wissen, dass ihr trister Tierheimalltag durch mindestens ein paar Minuten Aufmerksamkeit durchbrochen wird. Wir verbrachten Stunden mit Hunden auf der Hollywoodschaukel, die in einem großen Auslauf bereit stand und mit den wenige Wochen alten Kätzchen, die es sich nach wildem Herumgetobe auf unserem Schoß gemütlich machten.
Mit Wut mussten wir gequälte und ausgehungerte Tiere in der Tierauffangstation ankommen sehen, mit Trauer mussten wir das Einschläfern von Tieren hinnehmen, die nicht mehr gerettet werden konnten. Doch mit Freude bemerkten wir das große Interesse der Südafrikaner und die zahlreichen Adoptionen, die den Tieren ein neues Zuhause schenkten.

Neben der Arbeit im Projekt hatten wir viel Zeit, Kapstadt zu besichtigen. Wir unternahmen fast täglich Ausflüge in die vielen verschiedenen Viertel der Stadt, besuchten Märkte, tranken Kaffee an der Waterfront oder wanderten auf den Tafelberg. Obwohl in Südafrika zu der Zeit Winter war und die meisten Tage sehr windig und eher kühl sind, konnten wir ein paar Tage am Strand liegen. Kulinarisch probierten wir beinahe alles, was die südafrikanische Küche zu bieten hat. Nicht zuletzt durch die tollen Kochkünste unserer Gastmutter.
Als einer der schönsten Ausflüge bleibt mir die Fahrt um die Kap-Halbinsel in Erinnerung. Neben dem berühmten Kap der guten Hoffnung sahen wir Paviane, putzige Brillenpinguine und viele andere kleine Tiere, die im Table Mountain National Park leben. Kapstadt liegt wunderschön, ist sehr lebhaft und profitiert von den vielen unterschiedlichen Nationalitäten, die sich hier versammelt haben. Sie ist wahrscheinlich eine der „westlichsten“ Städte Südafrikas. Alle Menschen in unserem Umfeld waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit!

Eine unsere besten Entscheidungen im Vorfeld der Reise war, dass wir unseren Urlaub nicht nur auf den Freiwilligendienst beschränken wollten. Denn Südafrika hat mehr zu bieten als „nur“ die Arbeit im Projekt. Eine Reise in andere Städte oder Gebiete des Landes eröffnet völlig andere und neue Einblicke in die Kultur und ermöglicht tolle Erfahrungen. Zu nennen sind beispielsweise eine Safari, whale watching, der höchste Bungeejump der Welt, Strandritte und und und ... Nach sieben Wochen Südafrika wollte ich beinahe nicht mehr in das Flugzeug nach Hause steigen.


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