Erfahrungsbericht Südafrika

-> Kommentar zu diesem Bericht schreiben
Land
Südafrika
Träger
VoluNation
Freiwillige/r
Marion S

Kinderheim Arbeit

Wie für viele in meiner Klassenstufe war es auch für mich wichtig, nach dem Abitur etwas Spannendes zu erleben. Am besten so weit wie möglich von Zuhause weg und am liebsten so lange wie möglich. Das war mein erster Gedanke. Für mich war auch klar, dass es Afrika werden wird, weil ich vor zwei Jahren schon in Südafrika war und begeistert von Natur und Kultur war. Für mich war auch klar, dass ich ab Oktober studieren möchte und so hatte ich kein ganzes und auch kein halbes Jahr Zeit. Ich durchsuchte das Internet und wurde mir immer sicherer, dass ich gerne mit Kindern zusammenarbeiten wollte. Da Tansania eines der sichersten Länder in Afrika ist, entschied ich mich recht schnell für ein Waisenhausprojekt in Arusha, Tansania.



Meine Vorbereitung

Werden andere Freiwillige da sein? Auch aus Deutschland? Werden die Kinder mich mögen? Wie sind die Lebensumstände der meisten Leute dort und wie ist die Unterkunft? Werde ich mich gut einleben? Das sind nur ein paar meiner Fragen, die vor Reiseantritt in meinem Kopf schwirrten und mich nicht in Ruhe gelassen hatten. Am schwierigsten war es wohl, einen Koffer für fünf Wochen zu packen. Mir war bewusst, dass ich Klamotten einpacken musste, die dreckig und kaputt gehen können. Für mich persönlich war es auch wichtig, bevor es losgeht einen ärztlichen Rat zu bekommen. Ich musste ein paar Impfungen nachholen und auffrischen. Ich finde, wenn man sich auf Tansania und Afrika einlässt, sollte man selbst Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit und Aufgeschlossenheit mitbringen. Es ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt und es sollte auf keinen Fall mit dem europäischen Standard verglichen werden, doch die Freundlichkeit der Menschen und die Schönheit des Landes lässt über den ein oder anderen kritischen Moment hinweg blicken.

Ich weiß jetzt aber auch, dass ich mir viel zu viel Stress und Gedanken gemacht habe, denn es war lange nicht so dramatisch wie die Geschichten, die man über afrikanische Länder hört.

Meine Reise in ein unbekanntes Land

Am Tag meiner Ankunft wurde ich pünktlich mit zwei anderen neuen Freiwilligen aus Kanada am Flughafen Kilimandscharo abgeholt. Ein Uniformierter verlangt die Impfpässe. Schon von Anfang an wurde mein Englisch auf die Probe gestellt. Wir fuhren eine gute Stunde durch eine Landschaft, wie ich sie bisher noch nirgendwo anders gesehen habe. Einfache Häuser, die wir nicht Häuser nennen würden, standen auf wilden Feldern umgeben von Bananenplantagen und endloser Weite. Angekommen in meiner neuen Unterkunft begrüßten mich schon die anderen Freiwilligen. Auch Deutsche waren vertreten und erklärten mir in Kurzform, was mich die nächste Zeit so erwartet. Ich fühlte mich aufgenommen und willkommen und war positiv überrascht, als ich die Zimmer mit drei Betten sah. Ich teilte mein Zimmer mit einer Niederländerin, die, wie ich erstaunt feststellte, auch Deutsch sprach.

Am nächsten Tag fand meine Einführung statt. Zusammen mit anderen Neuen gingen wir in die Innenstadt, um Geld zu wechseln und uns mit Schokolade einzudecken. Zuhause angekommen wurden uns ein paar wenige swahilische Wörter beigebracht, die wir im Alltag benötigten. Am nächsten Tag sollte es dann ins Waisenhaus gehen.

Mein Projekt

Ich war froh, zusammen mit anderen den Weg ins Waisenhaus in Arusha gehen zu können. Wir fuhren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die recht günstig waren, und standen schlussendlich vor einem kleinen Haus mit drei Räumen und jeder Menge Kinder. Die Kinder stürmten dann auch schon auf uns los und ich musste aufpassen, nicht überrannt zu werden. Nach der Begrüßung der zwei Mitarbeiter ging der Unterricht schon los. Die größere Klasse konnte schon Englisch sprechen und schreiben. Die mittlere Klasse konnte bereits kleine Matheaufgaben lösen und die kleinste Klasse, die 5 - 6-Jährigen, verstanden kein einziges Wort Englisch. Ich musste auch feststellen, dass es nur wenige Lernmaterialien gab und so beschlossen wir Freiwilligen, am nächsten Tag in die Stadt zu gehen, um Plakate zu kaufen. Von da an war es einfacher, den kleinen das ABC und die Zahlen beizubringen. Schnell lernte man die schwierigen Namen der Kinder und war stolz darauf, sie auf Swahili an die Tafel zu rufen.

Dennoch waren die ersten Wochen nicht ganz so einfach für mich. Man muss sich halt doch erst noch an alles gewöhnen und auch dass der Strom abends mal weg war, ist mir neu gewesen. Aber das geht alles und in meinem Zimmer habe ich mich auch sehr wohl gefühlt. Nach einiger Zeit habe ich auch verstanden, wie die Einheimischen so ticken und auf die "Mzungu"-Rufe ("Weiße" nicht mehr reagiert. Nachdem ich dann auch ein paar Brocken Swahili konnte, ging alles sowieso viel einfacher. Die Leute sind dann einfach viel netter und man bekommt als Mzungu auch bessere Preise für Mitbringsel.

Ausflüge

Da wir nur bis 13 Uhr arbeiten mussten, hatten wir noch den ganzen Tag für kleine Ausflüge oder Stadtgänge, bis es dunkel wurde. Wir erkundeten meist alles zu Fuß oder per Taxi. Auch an den Wochenenden war genug Zeit und genug Angebote für echt interessante Ausflüge. Einer meiner besten Ausflüge war der Besuch eines Massai-Dorfes. Früh morgens fuhren wir zu fünft los. Die Strecke endete im Nirgendwo. Um uns herum war nichts, außer ein paar wenige Büsche und teils wüstenähnliche Landschaften. Und dann sahen wir sie auch: Lehmhütten wie in Filmen, Menschen in bunte Tücher gehüllt, singend und wartend. Sie tanzten mit ihren Kindern und ihrem auffallend schönen Schmuck. Wir waren alle begeistert und klatschten mit. Danach besichtigten wir ihre Häuser. Ich fand es ziemlich beeindruckend, mit wie wenig ein Mensch auskommen konnte.

Interessant fand ich auch einen Ausflug auf eine Kaffeeplantage. Uns wurde gezeigt, wie die Kaffee-Ernte aussah, wie sie den Kaffee mit einfachen Maschinen häuten und verarbeiteten. Wir lernten dabei viel über die Traditionen der Menschen in Tansania. Und natürlich auch die Natur, die uns umgab, war beeindruckend. Zu meinen Highlights gehört auch der Besuch einer typischen Bar. So konnten wir Deutschen kein Länderspiel der WM verpassen und feierten sogar mit den Einheimischen den Sieg der Deutschen. Auch klasse waren die Filmabende jeden Dienstag und auch das Feiern kam nicht zu kurz. Es wird einem also nie wirklich langweilig und die anderen Freiwilligen sind immer bereit, Insider-Tipps zu geben, die einem den Aufenthalt wirklich sehr angenehm machen.

Fazit

Zurück in Deutschland merke ich immer wieder, wie wichtig diese Erfahrung für mich war. Wenn ich meine gemachten Fotos anschaue merke ich, wie schön die Arbeit mit den Kindern war. Es geht doch nichts über ein Lächeln der Kleinen. Natürlich gab es in meiner Zeit in Afrika auch Tiefpunkte. Aber dadurch, dass ich ständig von Menschen umgeben war, fiel es mir leichter. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und auch ein bisschen stolz auf mich. Ich kann es wirklich jedem empfehlen, der neue Erfahrungen im Ausland machen möchte und außerhalb des Tourismus das Land kennenlernen möchte.

----------

-> zu dem Projekt

Kommentar zu diesem Erfahrungsbericht schreiben

-> Kommentar zu diesem Bericht schreiben