Erfahrungsbericht Vietnam

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Land
Vietnam
Träger
VoluNation
Freiwillige/r
Konstantin

Arbeiten mit Kindern in Vietnam

Meine Motivation für ein Engagement im sozialen Bereich (Workcamp) im Ausland war, mehr über mich und meine Fähigkeiten in einem völlig fremden Land zu erfahren. Ich wollte Neues kennen lernen; sowohl ein neues Land, eine neue Kultur, eine neue Sprache und andere Klimabedingungen. Deshalb ist die Entscheidung auch auf Vietnam, in meinem Fall Saigon, gefallen. Ich war schon immer ein Fan von Asien und an den Menschen dort interessiert. Den Süden Vietnams habe ich mir aufgrund des trockenen und warmen Klimas im Winter ausgesucht. Auch wollte ich nach dem Engagement noch weiter im Land bleiben und weitere Erfahrungen sammeln, die meine Fähigkeit zur Selbstständigkeit verbessern sollten. Dazu komme ich aber später in meinem Bericht.

Nach einer gründlichen Recherche über verschiedene Anbieter sozialer Projekte und dem Vergleich dieser ist die Entscheidung schnell auf das Angebot von VoluNation gefallen. Sowohl von dem Aufbau der Homepage, als auch den Beschreibungen der Tätigkeiten und den Kosten hat es mir am meisten zugesprochen. Deshalb habe ich mein zweiwöchiges Workcamp über Ausland.org gebucht.
Als Projekt habe ich mir das Arbeiten mit Kindern in einem Kinderheim ausgesucht. Durch die geschichtlichen Ereignisse in Vietnam wusste ich, was mich dort erwarten würde und sah es als große Herausforderung an, so ein Projekt zu absolvieren. Die Beschreibung des Kinderheims, wo ich eingesetzt werden sollte, zeigte auf, dass viele Kinder dort Leidtragende von Agent Orange sind und körperliche oder geistige Behinderungen mit sich tragen. Dies stärkte meine Motivation, etwas Gutes beizutragen, sei es nur die Freude in den Gesichtern der Kinder zu sehen.



Anfang November war es dann soweit und ich trat meinen langen Flug nach Saigon an. Endlich angekommen wurde ich auch schon von einem Mitarbeiter der Hilfsorganisation dort empfangen und es ging in einem Großraumtaxi durch die mit Motorrädern übersäten Straßen zu meiner Unterkunft im District 7.

Das Haus der Freiwilligen hatte mehrere Etagen und war sehr gemütlich ausgestattet mit allen möglichen Dingen, die junge Leute von heute brauchen wie Wireless Internet, Computer, Couch etc. Das Zimmer teilte ich mir mit zwei weiteren Freiwilligen wovon einer auch aus Deutschland war und mir das Einleben somit sehr einfach machte.
Die nächsten zwei Tage wurde ich mit Powerpoint Präsentationen auf das Projekt vorbereitet und man hat mit mir eine kleine Tour im District 7 gemacht, wo ich alles Mögliche in der näheren Umgebung sehen konnte.

Am dritten Tag hat dann mein erster Arbeitstag begonnen. Um kurz nach 7 Uhr stand ich auf und es gab Frühstück. Es gab reichlich Baguettes, Aufstrich und Früchte, wie z.B. Bananen. Gegen 8 Uhr ging es mit 3 - 4 weiteren Freiwilligen zur 100 Meter entfernten Bushaltestation, wo es mit dem Bus ins Zentrum ging. Von dort aus mussten wir in einen weiteren Bus umsteigen, der uns ans Ziel brachte. Wir waren nun in der Nähe des Flughafens, wo das Kinderheim lag.

Die Kinder waren in einer Pagoda untergebracht. Angekommen in der Pagoda und bei den Kindern legte ich schnell meine ersten Berührungsängste ab und konnte mich mit ihnen beschäftigen. Die Hauptaufgabe war, den Kindern Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken, mit ihnen zu spielen und den Erzieherinnen beim Füttern dieser zu helfen.

Gegen 11.30 Uhr legten sich die Kindern dann schlafen und die Freiwilligen und ich hatten in einem großen Raum im oberen Stockwerk Zeit und Platz, uns auszuruhen und hinzulegen. Die Zeit nutzten wir auch, um etwas essen zu gehen und uns näher kennen zu lernen. Nach der Pause und dem Mittagsschlaf ging es zurück zu den Kindern und man hat die weitere Zeit genutzt, mit ihnen auch etwas draußen auf dem Grundstück der Pagoda spazieren zu gehen. Gegen 16 Uhr verabschiedeten wir uns dann von den Kindern und es ging zurück zu dem Freiwilligenhaus, wo auch schon das Abendessen angerichtet war. Die Gerichte, die hier angeboten wurden, waren sehr abwechslungsreich und es war für jeden was dabei. Es gab immer auch Gerichte für Vegetarier! Kurzzeitig war ich sogar der Einzige, der nicht Vegetarier war. Dies war aber für die immer freundliche und herzliche Köchin dort kein Problem.

Diesen Tagesablauf hatte ich die zwei Wochen in meinem Projekt. Schon nach wenigen Tagen wurde ich von den Kindern erkannt und es wurde mir ein herzliches Lächeln geschenkt, welches ich niemals vergessen werde. Schon nach einigen Tagen hatten die Kinder mich in ihr Herz geschlossen und ich merkte schnell, dass ich am richtigen Ort war und das Richtige leistete. Die Kinder hier haben so viel Freude am Entdecken und an den einfachen Dingen im Leben und man lernt zu schätzen, wie gut man es eigentlich hat mit einer eigenen Familie und einem Dach über dem Kopf. Wie glücklich man sein kann, ein Leben zu führen wie man es will. Diese Kinder sind durch Behinderungen körperlich oder geistig und wurden von ihren Eltern nicht akzeptiert und ins Heim gegeben. Auch gibt es hier viele Waisenkinder. Trotz all dem sind diese Kinder mit dem glücklich, was sie dort haben und bekommen. Und zwar Aufmerksamkeit, Liebe, Essen und Trinken von Menschen, die eigentlich völlig fremd sind. Die Pagoda und die Freiwilligen leisten hier wirklich Großes!

Nach meiner ersten Woche organisierte man mir zum Wochenende eine große Citytour. Dies war wirklich ein schöner Tag, den ich mit zwei Mitarbeitern der Organisation verbracht habe. Es wurde mir viel gezeigt, wir waren in dem Kriegsmuseum und haben viele historische Gebäude von Saigon gesehen.

Nach den zwei erlebnisreichen und spannenden Wochen entschloss ich mich, weitere Monate in Vietnam zu bleiben. Das Projekt gab mir interessante Einblicke in den Alltag und das Leben der Menschen hier und so wollte ich unbedingt noch mehr von diesem tollen Land und den Menschen hier erfahren. Ich mietete mir eine kleine Wohnung an und verbrachte die Zeit damit, mehr über das Leben hier zu erfahren und Ausflüge zu unternehmen. Bis Anfang Februar verbrachte ich meine Zeit im Süden Vietnams, machte Ausflüge nach Phu Quoc, Nha Trang oder auch Vung Tau und besuchte auch in dieser Zeit mehrmals die Kinder in der Pagoda, um mit Ihnen Zeit zu verbringen.

Ich muss auch ehrlich gestehen, dass es mir sehr schwer gefallen ist, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Ich habe die ersten zwei Wochen große Probleme gehabt, sowohl von der klimatischen Umstellung als auch von dem Jetlag und der Umstellung an sich, wieder in einem geordneten und ruhigem Land wie Deutschland zu sein. Gerne kehre ich wieder nach Vietnam zurück, sei es um noch einmal solch ein Projekt zu absolvieren, hier zu studieren oder sogar zu arbeiten und zu leben. Durch dieses Projekt war es mir möglich, eine zweite Heimat zu finden, meine Einstellung zum Leben und zum Sinn des Lebens im Positiven zu verändern und mich wieder auf den richtigen Weg gebracht! Vielen Dank! Ich kann eine solche Erfahrung nur jedem Einzelnen empfehlen.


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