Erfahrungsbericht Südafrika

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Land
Südafrika
Träger
VoluNation
Freiwillige/r
Susanne L

Tierschutz-Projekt

„Ich hoffe die Welt ein Stück besser zu hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe.“ Dieses Zitat vom US-amerikanischen Puppenspieler Jim Henson, bekannt durch TV-Formate wie die Muppet Show und Sesamstraße, stellt meiner Meinung nach ein gutes Lebensmotto dar. Jeder Mensch hat vielfältige Möglichkeiten, in seinem Leben Gutes zu bewirken; dass man dafür keine großen Summen an Geld benötigt, weiß ich spätestens seit meinem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), welches ich nach meinem Abitur im Jahr 2010 in einem Kindergarten absolviert habe. Dieses bereichernde Gefühl hat mich seit jeher begleitet und somit war klar, dass mein FSJ nicht die letzte ehrenamtliche Tätigkeit für mich bleiben würde.



Im Frühjahr 2014 erfuhr ich durch eine Freundin von den Kurzzeitfreiwilligendiensten, die die Organisation VoluNation anbietet. Schnell war meine Begeisterung geweckt, u.a. da die angebotenen Zeiträume viel Flexibilität boten, sodass die Freiwilligenarbeit gut mit den Semesterferien an meiner Universität vereinbar war. Ein weiterer Pluspunkt waren die attraktiven Standorte. Schon seit Langem war ich von Südafrika begeistert und dieses Land stand ganz oben auf der Liste meiner Wunsch-Reiseziele. Noch dazu waren die Einsatzorte in Südafrika alle rund um Kapstadt gelegen, und von dieser Stadt hatten alle Verwandten und Freunde, die sie schon einmal besucht hatten, nur geschwärmt. So fiel mir die Wahl des Einsatzortes nicht schwer und es war klar, dass mich meine Freiwilligenarbeit ans Kap der Guten Hoffnung führen würde.

Auch die Entscheidung für die Art der Freiwilligenarbeit gestaltete sich leicht: Seit ich denken kann, hatte ich schon immer eine große Vorliebe für Tiere. Neben zwei Kaninchen, die ich als Haustiere hatte, habe ich als begeisterte Reiterin seit meinem 10. Lebensjahr viel Zeit auf dem Reiterhof verbracht und jahrelang ein Pflegepferd betreut. Da ich aufgrund meines Studiums umgezogen bin und auch aus Zeitgründen nicht mehr so viel mit Tieren zu tun habe wie früher, hat mich das Angebot des Freiwilligendienstes in der Tierauffangstation bei Kapstadt sofort in seinen Bann gezogen. Die Freundin, die mich auf die Organisation VoluNation und ihre Angebote aufmerksam gemacht hatte, war ebenfalls begeistert von der Idee, einen Auslandsaufenthalt einmal anders zu gestalten und sich „nebenbei“ für den Tierschutz zu engagieren. So beschlossen wir, den Freiwilligendienst gemeinsam anzutreten. Danach ging alles sehr schnell: Formalitäten wie die Flugbuchung etc. waren zügig erledigt und die Vorfreude steigerte sich jeden Tag, bis Anfang August diesen Jahre die Reise schließlich los ging.

In Kapstadt angekommen zogen wir erst einmal in das „Student House“, ein zweistöckiges Haus, in dem bis zu 30 Freiwillige, die u.a. in Schulen, Blinden- sowie Tierschutzeinrichtungen arbeiten, unter einem Dach untergebracht werden. Nach zwei Tagen, die der Orientierung im Land dienten, kamen wir dann in unsere eigentliche Unterkunft bei einer Gastfamilie in einem nördlich gelegenen Stadtteil von Kapstadt, und dann begann auch schon der erste Arbeitstag.
Meine Einsatzstelle, in der ich zusammen mit meiner Freundin arbeitete, war eine Tierschutzorganisation, die in einem eher industriellen Stadtbezirk von Kapstadt in der Nähe des Hauses unserer Gastfamilie ihren Standort hatte. Sie setzt sich für die Rechte von Tieren einsetzt und wird ausschließlich durch Spenden finanziert.



Der Begriff Animal Shelter, wie die Tierauffangstation bezeichnet wurde, ist wohl am ehesten mit dem gleichzusetzen, was wir in Deutschland unter einem Tierheim verstehen. So werden in der Zweigstelle, in der ich meine Freiwilligenarbeit absolvierte, heimatlose Haustiere (Hunde und Katzen) versorgt und können dort adoptiert werden, wie dies auch in Deutschland üblich ist. Zusätzlich grenzt an die Tierauffangstation eine Tierklinik, in der nicht nur die Hunde und Katzen des Animal Shelters behandelt werden, sondern auch die Einwohner Kapstadts mit ihren Haustieren ärztliche Hilfe erhalten können. Des Weiteren beherbergt die Tierauffangstation einen kleinen Laden, in dem man Tierfutter und andere Utensilien erstehen kann und bietet Schulen und anderen Institutionen Vorträge rund um das Thema Tierschutz an.

Mein Arbeitsalltag gestaltete sich äußerst angenehm: Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 – 13:00 Uhr unterstützte ich das Team. Meine Hauptaufgabe bestand darin, mich mit den Hunden und Katzen zu beschäftigen, da die große Anzahl der Tiere, die dort auf ein neues Zuhause wartet, es neben den administrativen Aufgaben, der Fütterung und der täglichen Reinigung der Käfige kaum möglich macht, dass jedem Tier ausreichend Aufmerksamkeit zuteil wird. Eine schönere Art der Freiwilligenarbeit kann man sich kaum vorstellen: Das Gefühl, das man empfindet, wenn die Tiere einem mit bedingungsloser Dankbarkeit begegnen, das Leuchten von Hundeaugen, wenn man mit ihnen Ball spielt oder das Schnurren einer Katze, wenn man sich Zeit für ausgiebige Streicheleinheiten nimmt, sind nur schwer zu beschreiben. Ab und an gab es auch „trockenere“, administrative Aufgaben für mich zu erledigen, wie beispielsweise das Sortieren von Adoptionsakten. Aber auch diese Arbeiten haben mir Spaß gemacht, da ich dabei die Funktionsweise der Tierauffangstation und das Team besser kennen lernen konnte.

Von den Mitarbeitern kann ich nur Positives berichten: Ausnahmslos jedes Mitglied des Teams, mit dem ich zu tun hatte, war überaus freundlich, gewillt, über sich und seine Arbeit zu erzählen, aber auch interessiert, etwas über mich und vor allem meine Motivation für meinen Freiwilligendienst zu erfahren. Neben den ohnehin schon sehr humanen Arbeitszeiten war es auch kein Problem, sich einmal einen (halben) Tag freizunehmen, wenn man beispielsweise einen Ausflug zu einer Sehenswürdigkeit machen wollte und nur noch ein Ticket für unter der Woche bekommen hatte. Das „Freiwillige“ an meinem Dienst wurde somit wirklich groß geschrieben und meine Arbeit in jedem Fall wertgeschätzt.

Doch nicht nur meine Freiwilligenarbeit hat meinen Aufenthalt in Südafrika zu einer unvergesslichen Zeit werden lassen. Das Leben in der fünfköpfigen Gastfamilie (Ehepaar mit drei Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren), bei der ich während des Freiwilligendienstes mit meiner Freundin wohnen durfte, hat mich die Kultur in Südafrika erleben lassen, wie es besser nicht hätte sein können: Auch wenn wir nur vier Wochen bei ihnen waren, so hat uns die Familie doch komplett in ihren Alltag eingegliedert, jedoch ohne wirkliche Pflichten für uns. So waren wir gern gesehene Gäste auf Familienfesten, die in Südafrika sehr gerne und viel gefeiert werden, vor allem mit einem großen Barbecue, dem typisch südafrikanischen Braai, und sie freuten sich, wenn wir sie sonntags in die Kirche begleiteten, aber wenn wir selbstständig Pläne für die Nachmittage oder die Wochenenden hatten, so stellte dies auch kein Problem dar.



Und Pläne sollte man definitiv machen, denn in und um Kapstadt gibt es so viel zu entdecken und erleben, dass man selbst bei vier Wochen Aufenthalt gut beraten ist, die Zeit zu nutzen, da diese leider wie im Fluge vergeht. Ein Highlight ist sicherlich die Fahrt rund um die Kap-Halbinsel. Das Kap der Guten Hoffnung und die Pinguine am Boulders Beach in Simonstown sind nur zwei wenige Beispiele für die atemberaubende Landschaft, die sich bei der Rundfahrt bietet. Da wir zu zweit unterwegs waren und ein Mietauto hatten, war es für uns kein Problem, unsere Ausflüge flexibel und vor allem dem Wetter angemessen, das für Kapstadt typisch doch relativ wechselhaft war, zu gestalten. Aber auch wenn man den Freiwilligendienst allein antritt, sollte es ein Leichtes sein, Kapstadt und die Umgebung zu erkunden, da man bei den Orientierungstagen im Student House sehr schnell andere Freiwillige kennen lernt, mit denen man sich zum Beispiel auch die Gebühren für die Automietung teilen kann.

Alles in allem kann ich also sagen, dass ich meine Zeit in Südafrika in vollen Zügen genossen habe. Selbstverständlich gab es nicht nur positive Erlebnisse – so musste ich beispielsweise bei der Freiwilligenarbeit miterleben, wie ein Hund aufgrund einer die Gesundheit der anderen Tiere gefährdenden Krankheit eingeschläfert wurde und habe doch bei meinen zahlreichen Ausflügen in einigen Situationen die Nachwirkungen der Apartheid gespürt. Aber auch solche Erfahrungen gehören dazu, wenn man längere Zeit in einem Land verbringt, das sich am anderen Ende der Welt von der Heimat befindet. Meiner Meinung nach bereichern einen auch solche negativen Erlebnisse, vor allem dahingehend, dass man vielleicht einen anderen Blickwinkel auf gewisse Dinge in seinem Leben bekommt und diese reflektiert.

“You will leave South Africa but South Africa will never leave you.” Diesen Spruch habe ich während meines Aufenthaltes in Südafrika nicht nur einmal gehört – seinen Wahrheitsgehalt kann ich allerdings mehr als bestätigen. Ich bin glücklich darüber, mir die Auszeit vor dem Schreiben meiner Bachelorarbeit genommen und neben dem Erleben eines wundervollen Landes wie Südafrika etwas Gutes getan zu haben und werde immer gerne an diese Erfahrung zurückdenken.
Allen Interessierten, die sich überlegen, einen Freiwilligendienst in Kapstadt zu absolvieren, kann ich dies nur empfehlen und brauche eigentlich gar nicht eine unvergessliche Zeit zu wünschen – denn die werdet ihr auf jeden Fall haben!



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